Fledermausjäger

von Danica J. Stark

Nonstop (Ausgabe III/2019)

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Die Augen eines Koboldmakis sind so groß wie sein Gehirn. Illustration: Shutterstock


Wer nachts durch den Dschungel von Borneo streift, hat vielleicht das Glück, von einer kleinen Kreatur angestarrt zu werden, deren Augen so groß sind wie ihr ­Gehirn. Ein Koboldmaki kann seinen Kopf um 180 Grad in beide Richtungen drehen und bis zu fünf Meter weit springen – was vierzigmal seiner Körperlänge entspricht.

»Kera hantu«, Geisteraffen, werden die kleinsten Primaten Südostasiens darum auf Malaiisch genannt. Koboldmakis werden nur etwa 130 Gramm schwer und gelten als die einzige ausschließlich fleischfressende Primaten­art. Sie essen, was sie töten können: Insekten, Fledermäuse und kleine Reptilien. Mit rasiermesserscharfen Zähnen reißen sie ihrer Beute den Kopf ab.

Das Volk der Dusun bezeichnet Koboldmakis als »ruket-ruket«, was so viel wie »Stück für Stück« bedeutet, denn sie sehen aus wie eine wilde Mischung verschiedener Tiere: Eulenaugen, Fledermausohren, Froschschenkel und ein Rattenschwanz. Anzutreffen sind Koboldmakis auf den Inseln Borneo, Sulawesi und den Philippinen, also insbesondere Regionen, die von massiver Abholzung bedroht sind. Der Verlust des Lebensraums und die Nutzung von Pestiziden in der Landwirtschaft haben dazu geführt, dass die Zahl der Koboldmakis in den vergangenen Jahren dramatisch geschrumpft ist. Dabei könnten die kleinen Jäger bestens mit Landbesitzern zusammenarbeiten: Als natürliche Schädlingsbekämpfer spielen sie eine wichtige Rolle im Ökosystem.

Aus dem Englischen von Gundula Haage



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