Drohende Monopole

von Denise Hearn

Nonstop (Ausgabe III/2019)


Über 92 Prozent aller Suchanfragen im Internet werden von Google abgewickelt. Über die Hälfte aller Online-Produktsuchen beginnen heute bei Amazon. Beide Technologiefirmen haben große Ambitionen: Sie wollen nicht nur ihre jeweiligen Märkte monopolisieren, sondern auch die grundlegende Infrastruktur dominieren, auf die sich diese Märkte stützen. Dies erklärt, warum Amazon und Google stark in die Logistik- und Mobilitätsmärkte investieren. Beide Unternehmen beanspruchen eine andere Nische für sich, verfolgen jedoch ein ähnliches Ziel: die Marktbeherrschung. Amazon konzentriert sich auf Transport und logistische Lieferketten, während Google seine Kernkompetenzen in Bezug auf Ortung und Navigation, Software, Kameras und Cloud-Speicher nutzt, um seine Führungsposition in den Bereichen autonomes Fahren und Mobilität von Personen zu festigen.

Autonome Mobilität ist ein riesiger Wachstumsmarkt. Die neue Google-Dachgesellschaft Alphabet hat deshalb in Transportdienste investiert, darunter Anbieter von Fahrdiensten (Investitionen in Uber und Lyft im Wert von über vier Milliarden US-Dollar), von Leihfahrrädern und Leihmotorrollern (Lime), sowie in autonomes Fahren. Waymo, eine Ausgründung von Google, gibt Berichten zufolge jährlich eine Milliarde US-Dollar für die Entwicklung von Technologien für autonome Fahrzeuge aus. Weitere Alphabet-Investitionen sind: Scotty Labs, eine Software zur Verwaltung selbst fahrender Autos per Fernzugriff; Waze, eine Crowdsourcing-Kartierungsanwendung, und Carmera, ein Start-up für Kartierung und Datenanalyse. Auch wenn diese Investitionen und Übernahmen wie Einzelfälle erscheinen mögen, ist das Gesamtziel dahinter offensichtlich: Alphabet möchte der Marktführer für die autonome Mobilität am Boden werden.

Die Wirtschaft braucht Transport und Logistik, und die meisten globalen Unternehmen verlassen sich auf die Transportindustrie, um Produkte weltweit an Kunden auszuliefern. Die Beherrschung des Logistikmarktes als Zwischenhändler zwischen Lieferanten und Verbrauchern bedeutet nicht nur große finanzielle Gewinne, sondern auch Macht. Mit Amazon Air will der Online-Versandhandel Amazon sich nun von den Transportunternehmen FedEx, UPS und DHL unabhängig machen. Deshalb hat Amazon 1,5 Milliarden US-Dollar in ein neues Umverteilungszentrum in Cincinnati investiert, um seine Kapazitäten in der Luftfracht auszubauen.

2018 hat das Unternehmen rund 27 Milliarden US-Dollar für Auslieferungen ausgegeben. Um diese Kosten zu verringern, plant Amazon, Lager zu automatisieren und so unabhängig von Fahrern und Lieferfirmen zu werden. Amazon beschäftigt derzeit Vertragsarbeiter, um die Waren an die Kunden auszuliefern, doch dies ist wahrscheinlich nur eine Zwischenlösung, bis sich alle logistischen Vorgänge automatisieren lassen in einem dystopischen Szenario von autonomen Stadtfahrzeugen und Drohnenlieferungen. Im Februar investierte das Unternehmen 700 Millionen US-Dollar in Rivian, ein Unternehmen für den Betrieb von Elektro-Pick-ups. Ein nicht genannter Betrag wurde zudem in Aurora Innovations gesteckt, eine Firma für selbst fahrende Fahrzeuge. Amazon legt sein Geld in allen Bereichen des Logistiknetzwerks an, um künftig die gesamte Wertschöpfungskette zu steuern.

Es besteht die Gefahr, dass Google und Amazon bald die Mobilität von Personen und Gütern weltweit kontrollieren. Wir sollten den kartellrechtlichen Kampf gegen die beiden Unternehmen verstärken und Bilanz ziehen über ihre Versuche, den Markt nicht nur zu kontrollieren, sondern selbst zum Markt zu werden.

aus dem Englischen von Karola Klatt



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