Putins Planspiele

von Jack Losh

Das ärmste Land, das reichste Land (Ausgabe III+IV/2018)


Im Oktober 2017 fand in Sotschi am Schwarzen Meer ein Treffen statt, das medial kaum Beachtung fand. Dabei war die Zusammenkunft des russischen Außenministers Sergej Lawrow mit dem Präsidenten der Zentralafrikanischen Republik Faustin Archange Touadéra alles andere als alltäglich.

Das russische Außenministerium hielt sich nach dem Treffen mit Statements bedeckt. Man strebe eine »praktische Kooperation« an und wolle »das erhebliche Potenzial ausloten, das eine Partnerschaft zur Erkundung von Bodenschätzen bietet«. Tatsächlich sagte Lawrow Touadéra zu, bis zum Jahresende russische Militärausbilder und leichte Waffen in die Zentralafrikanische Republik zu schicken. Russlands Entscheidung, sich politisch in das vom anhaltenden Bürgerkrieg gebeutelte Land einzumischen, passt zur russischen Afrika-Strategie: Präsident Putin hofft, durch die militärische, technologische und wirtschaftliche Unterstützung afrikanischer Staaten, Einfluss auf den vom Westen vernachlässigten Kontinent zu nehmen und sich neben China als zweite Auslandsmacht in Afrika zu etablieren

 Nicht nur mit der Zentralafrikanischen Republik, sondern auch mit der Demokratischen Republik Kongo, Äthiopien, Guinea und Mosambik hat Russland in diesem Jahr militärische Kooperationsvereinbarungen geschlossen. Während die Trump-Regierung das amerikanische Engagement in Übersee zurückfährt, schließt Moskau ständig neue bilaterale Abkommen mit afrikanischen Regierungen. Erst vor Kurzem verständigte man sich mit Ägypten auf einen Waffendeal im Wert von 3,5 Milliarden Dollar. Und auch für denBau von neuen ägyptischen Atomkraftwerken sicherten sich zuletzt russische Firmen den Zuschlag. Vereinbarungen über Rüstungsgeschäfte, Energie- und Bergbauprojekte wurden in der jüngeren Vergangenheit auch mit Libyen, dem Sudan, Angola, Namibia und Simbabwe getroffen.

Die Zentralafrikanische Republik hat in der russischen Strategie jedoch eine Sonderstellung. Nicht nur die reichen Diamant- und Uranvorkommen des Landes machen es für Moskau interessant. Auch die Tatsache, dass dort seit Jahren politische Instabilität herrscht, kommt dem Kreml entgegen. Das machtpolitische Vakuum erleichtert die russische Einmischung. Moskaus Engagement ist dabei schon längst viel intensiver als gemeinhin angenommen. Ein russischer Sicherheitsberater steht bereits in Präsident Touadéras Diensten und Berichten zufolge verkehren im ganzen Land russische Militärkonvois. In Grenzgebieten sollen Moskaus Militärs Seite an Seite mit zentralafrikanischen Streitkräften patrouillieren und gar russische Offiziere mit Rebellenführern verhandeln. Vielerorts sind vermutlich auch Söldner der mit dem Kreml vernetzten privaten Sicherheitsfirma Wagner im Einsatz. Diese unterstützte bei früheren Kreml-Geheimoperationen bereits militante Separatisten in der Ostukraine und syrische Regierungstruppen.

Dass ein ständiges Mitglied des UN-Sicherheitsrates in Afrika Präsenz zeigt, ist kein Novum. Frankreich und Großbritannien profitieren seit jeher von engen Beziehungen zu ihren ehemaligen Kolonien – und auch die USA haben seit dem Kalten Krieg große Truppenkontingente in Afrika stationiert. China hat ohnehin längst auf dem Kontinent Fuß gefasst. Ob mit der neuen russischen Einmischung nun eine Großmacht zu viel in Afrika involviert ist und welche Konflikte sich daraus ergeben könnten, bleibt abzuwarten. Klar ist, dass die russische Intervention, bei der nicht das Wohl der Zentralafrikanischen Republik, sondern Russlands Machtfantasien im Vordergrund stehen, wohl nur zu noch mehr Chaos in der Region führen wird.

Aus dem Englischen von Andreas Bredenfeld



Ähnliche Artikel

Heiße Zeiten. Wie uns das Klima verändert (Thema: Erderwärmung)

Die Vermessung der Welt

von Annette Hornbacher

Die Menschen haben versucht, die Natur rein rational zu begreifen. Auch das hat zur ökologischen Krise geführt

mehr


Weniger ist mehr. Über das Wachstum und seine Grenzen (Thema: Wachstum)

Alles, nur keine Schwarzmalerei

von John Halpin

Ein ökologische Wende wird in den USA nur mit positiven Anreizen möglich sein – und mit einer neuen Bürgerbewegung

mehr


Heiße Zeiten. Wie uns das Klima verändert (Thema: Erderwärmung)

Ist der Sommer voller Regen...

von Jørgen E. Olesen

Wenn sich das Wetter in Europa ändert, entstehen neue Bauernregeln

mehr


Im Dorf. Auf der Suche nach einem besseren Leben (Thema: Dorf)

Fruchtbare Fernbeziehungen

von Doug Saunders

Weshalb die Zukunft der Dörfer in den Städten entschieden wird

mehr


Schwarz-Weiß-Denken (Thema: Schwarz-Weiß-Denken)

Irrsinn aus dem Westen

von Alexander Finiarel

Im Widerstand gegen die „Neue Ethik“ sind in Russland oppositionelle und regierungsfreundliche Kräfte vereint

mehr


Das Deutsche in der Welt (Thema: Deutschsein)

Nachbarschaftshilfe

von Tomasz Berezinski

Warum Polen so gerne Ratgeber aus Deutschland lesen

mehr