Editorial

von Jenny Friedrich-Freksa

Erde, wie geht's? (Ausgabe I/2018)

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Vom Nördlichen Breitmaulnashorn gibt es noch genau drei Exemplare weltweit. Andere Tiere profitieren von wärmeren Temperaturen und fehlenden Feinden und breiten sich schnell und flächendeckend aus, wie die Rippenqualle aus den USA. Auch manche Pflanzen gedeihen hervorragend. Exportiert aus ihrer ursprünglichen Heimat und anderswo neu angesiedelt, sind sie eine Art Globalisierungsgewinner. So etwa die Australische Akazie, die heute in Südafrika heimischen Tieren und Pflanzen enorm schadet, indem sie mit ihrer mächtigen Krone weite Flächen komplett verschattet.

Stürme fegen über’s Land. Ist das schon Klimawandel oder einfach nur Wind? Schwer zu sagen. Andere Entwicklungen sind eindeutig, etwa das enorme Artensterben, das derzeit stattfindet: Tiere verschwinden. Überall auf der Welt und für immer.Dieses Heft ist eine Bestandsaufnahme. Wie geht’s der Erde im Januar 2018? Wie fruchtbar sind die Ackerböden, wie dreckig ist die Luft, wie groß sind die Süßwas- serreserven? Welche Treibhausgase schweben durch die Atmosphäre? Längst haben sich die Landschaften der Erde und ihr Klima durch massive Eingriffe des Menschen verändert. Doch wir sprechen immer noch darüber, als gehe es um eine ferne Zukunft: Wird es einmal ein, zwei oder fünf Grad wärmer werden? Was passiert dann? Kein Mensch weiß das, es gibt schlechte und weniger schlechte Prognosen, aber keine guten. Doch eine große Verwandlung der Natur geschieht bereits jetzt. Wir haben Statistiken gelesen, Daten analysiert und mit Experten gesprochen. Manche Informationen sind sehr seltsam: Die riesigen Mengen von Zuchttieren auf allen Kontinenten wiegen zusammen 700 Millionen Tonnen. Wir Menschen auf der Erde kommen gemeinsam auf nur 300 Millionen.

Der Mensch und sein Verhältnis zur Natur beschäftigt uns in dieser Ausgabe. Klar ist: Ohne eine Abkehr vom Wachstumsmodell geht die Erde kaputt, und wir Menschen mit ihr. Die Natur kann einfach nicht mehr mithalten. Aber wie machen wir jetzt weiter? »Ganz ohne Zwang wird es nicht gehen«, glaubt der Philosoph Charles Taylor. Aber eigentlich sei es am wichtigsten, Gesellschaften gerechter zu machen. Was Gerechtigkeit und Klimawandel miteinander zu tun haben, erklärt er im Gespräch. »Ich bin überzeugt, dass wir uns ändern können,« sagt Taylor. Ich hoffe das auch.



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