„Mentorinnen für Migrantinnen“

ein Interview mit Béatrice Achaleke

Großbritannien (Ausgabe I/2010)


Sie fördern schwarze europäische Frauen in Sachen Karriere. Warum?

In unserer Gesellschaft gibt es bis heute viele Vorurteile, gerade schwarzen Frauen gegenüber. Den Stereotypen zufolge sind sie inkompetent und schlecht ausgebildet. Im Kampf um Chancengleichheit wollen wir, dass Menschen, die durch ihr anderes Aussehen sichtbar sind, auch an sichtbaren Stellen Erfolge haben. Als Role-models ermutigen sie andere zur Nachahmung. 
 
Aber haben nicht auch andere Migranten mit diesen Problemen zu kämpfen?

Ohne Zweifel gibt es Probleme, die sich überschneiden. Vor allem, wenn man sich aufgrund der Hautfarbe, Religion oder Kleidung vom Gros der Bevölkerung unterscheidet. Diese Unterschiede werden kategorisiert und es ist sehr schwierig, diese Kategorien zu durchbrechen. Um das zu tun, braucht eine Gesellschaft „affirmative action“. 
 
Was bedeutet das?

Wir haben zum Beispiel hier in Wien das Projekt „Mimpol“, das steht für „Migrantinnen machen Politik“. Die politische Landschaft Österreichs spiegelt das Einwanderungsland nicht wider, das Österreich geworden ist. Wir brauchen auf allen politischen Ebenen Migranten, die mitgestalten. Das Projekt sieht so aus, dass sich Politikerinnen auf kommunaler und nationaler Ebene als Mentorinnen für Mig-rantinnen zur Verfügung stellen. 
 
Wie unterscheidet sich denn die Situation von schwarzen Frauen innerhalb der Länder Europas?

Es kommt darauf an, ob die Länder zu ihrer Kolonialvergangenheit stehen. Denn Kolonialvergangenheit ist immer auch Migrationsvergangenheit. Länder wie Großbritannien oder Frankreich gehören dazu. Sie sind da sicherlich fortschrittlicher als Österreich, das bis heute keinen Bedarf sieht, sich für Migranten zu engagieren. Obwohl wir heute wissen, dass 18 Prozent der österreichischen Gesamtbevölkerung Migrationshintergrund aufweist. 
 
Bei Frankreich denkt man an die schweren Ausschreitungen in den Pariser Vororten.

Ich will auch nicht behaupten, dass Frankreichs Integrationspolitik eine bessere wäre und junge schwarze Frauen dort besonders gefördert würden. Aber: Dadurch, dass die Einwanderer schon seit Generationen in Frankreich leben, gibt es mehr Frauen, die den Sprung nach oben geschafft und anderen dadurch den Weg geebnet haben. In Frank-reich sind tatsächlich viele schwarze Frauen in Führungspositionen in Wirtschaft und Politik. In England wiederum sind sehr viele schwarze Frauen Nationalratsmitglieder. Ansonsten sind es vor allem Einzelbeispiele: In Schweden etwa haben wir eine schwarze Ministerin. In der Schweiz und Deutschland wiederum gibt es jeweils eine schwarze Gemeinderätin.

Wo liegt der Fokus Ihrer Arbeit? Ist es für Sie wichtiger, dass allgemein mehr schwarze Menschen oder insgesamt mehr Frauen Führungspositionen erreichen?

Unser Schwerpunkt liegt darauf, Frauen zu fördern. Sie sind bis heute in Führungspositionen unterrepräsentiert. Insbesondere natürlich Frauen, die als sichtbare Minderheiten gelten.

Das Interview führte Christine Müller



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