72% der jungen Griechen halten die Finanzkrise für nicht beendet*

kommentiert von Babis Papaioannou

Une Grande Nation (Ausgabe IV/2017)


Unter anderem wurden ihre Ansprüche auf Arbeitslosengeld beschränkt, Schulen geschlossen und Ermäßigungen im Nahverkehr abgeschafft. Am schwerwiegendsten war das Gesetz für einen speziellen Niedriglohn für junge Arbeitnehmer. Die Idee, man könne die Unternehmen durch solche Niedriglöhne dazu motivieren, den Nachwuchs einzustellen, erbrachte in der Umsetzung nicht die gewünschten Resultate: Mittlerweile ist Griechenland eines der Länder mit der höchsten Jugendarbeitslosigkeit.

Eine Auswertung der Daten des griechischen Sozialversicherungsträgers EFKA zeigt die Ausmaße des Problems: Ein 24-jähriger erhält heute im Durchschnitt einen Lohn von 380 Euro, während ein 18-jähriger nur 265 Euro verdient. Zum Vergleich: 2009 verdienten die 18-jährigen noch 548 Euro, was heißt, dass sie fast die Hälfte ihres Lohns eingebüßt haben. Bei der Altersgruppe der 25- bis 29-jährigen ist es knapp ein Drittel. Die jungen Menschen sehen in dieser Entwicklung die praktischen Folgen der Krise, und solange sich die Situation nicht verbessert, werden sie bei dieser Ansicht bleiben. 

*Quelle: TUI Stiftung, TUI Survey 2017



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