Das freundliche Stinktier

von Timothy W. Donohoe

Raum für Experimente (Ausgabe III/2017)

-

Ein Stinktier. Illustration: THEPALMER


Tomatensaft – und viel davon! Überall einreiben, egal, ob Haustier oder Mensch. So lautet seit Generationen das Rezept gegen das scheußliche Schwefelsekret des nord- amerikanischen Stinktiers. Das »Striped Skunk« spritzt zur Abwehr aus zwei Analdrüsen ein alkanthiolreiches Stoffgemisch – bis zu sechs Meter weit. Die Allesfresser leben am Stadtrand und stecken ihre Mäuler bei Dämmerung in Mülleimer und Fressnäpfe. Das englische Wort »skunk« stammt wohl von »seganku« aus der indianischen Algonkin-Sprache und setzt sich aus den Worten für »Urin« und »Fuchs« zusammen.

Schon in den Legenden der Ureinwohner tritt das Stinktier auf. So erzählte man sich beim Winnebago-Stamm in Nebraska von einem Mädchen, das eine ehrwürdige Schildkröte abwehrt und zur Strafe zum Stinktier wird. In den Märchen der Chippewa warnt das Skunk vor dem Tod im Sumpfgebiet. Und aus »shikaakwa«, wie die Cree und Chippewa westlich des Michigansees das Streifentier nannten, entwickelte sich der Name Chicago. Auch die US-Popkultur kennt Skunks: etwa die Comicfigur Miz Ma’m’selle Hepzibah oder Pepé Le Pew aus der gleichnamigen Trickfilmserie von Warner Brothers, der sich in Katzen verliebt. Übrigens: Tomatensaft hilft nur bedingt gegen Stinktiergeruch. Wirksamer ist die Mischung aus Wasserstoffperoxyd, Backnatron und Geschirrspülmittel.



Ähnliche Artikel

Treffen sich zwei. Westen und Islam (Theorie)

„Der Markt ist immer eigennützig“

von Ryan Bishop

Wer soll Kultur finanzieren?

mehr


Good Morning America. Ein Land wacht auf (Thema: Vereinigte Staaten)

„Das neue Amerika gibt es nicht“

ein Interview mit Irene Dische

Ein Gespräch mit der Schriftstellerin über das Versagen der Intellektuellen und den Mythos der Meinungsfreiheit

mehr


Helden (Thema: Helden)

Glorreicher Snack

von Timothy W. Donohoe

Wie das opulente »Hero Sandwich« aus New York seinen Einzug in die US-Literatur fand

mehr


Zweifeln ist menschlich. Aufklärung im 21. Jahrhundert (Bücher)

Die Bedeutung der Außenkulturpolitik

von Gudrun Czekalla

Warum halten Staaten es für sinnvoll, die eigene Kultur im Ausland bekannt zu machen und sie für außenpolitische Zwecke einzusetzen?

mehr


Ich und alle anderen (Thema: Gemeinschaft)

Der Blitz trifft immer Schwarze

von Mukoma wa Ngugi

Dem Rassismus gegen Afro-Amerikaner kann man derzeit in den USA nicht entkommen

mehr


Was bleibt? (Die Welt von morgen)

Monsterfisch

Eine Kurznachricht aus den USA

mehr