Die Rufe des Gecko

von Sim Phally

Ich und alle anderen (Ausgabe IV/2016)

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Ein Tokeh. Illustration: Stephanie F. Scholz


Wenn in Kambodscha der Abend anbricht, dann klingt oft ein lauter Ruf durch die Häuser, der dem Wort „Tokeh“ sehr nahe kommt. Tokeh ist auch der Name des Geckos, der dieses unvergleichliche Geräusch erzeugt und versteckt an den Decken und Wänden der Häuser sitzt. Es lohnt sich, ihm genauer zuzuhören.

Denn einer alten kambodschanischen Weisheit zufolge bringt es Glück, wenn der Gecko den Tokeh-Ruf mehr als sieben Mal von sich gibt. Acht Rufe bringen der Familie Wohlstand, neun Rufe versprechen gesellschaftliche Anerkennung und elf Rufe sogar eine gehobene berufliche Position. Bei weniger als sieben Rufen droht jedoch Unglück.

Weil er als Glücksbringer gilt, ist der blaugraue und rot gefleckte Gecko ein willkommener Gast in jedem kambodschanischen Haushalt. Das nachtaktive Tier hat jedoch auch einen praktischen Nutzen für die Menschen. Er frisst Insekten, allen voran die ungeliebten Moskitos, und bewahrt die Hausbewohner so vor dem ein oder anderen Stich. In Kambodscha, wo Dengue-Fieber und Malaria verbreitet sind, ist das ein sehr willkommener Dienst. Bei einem Besuch Kambodschas heißt es also, dem Tokeh-Ruf zu folgen. Es wartet Glück und etwas Ruhe vor Moskitos!



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