Einsam essen

von Karamba Diaby

Das neue Italien (Ausgabe III/2016)


Bei der Ankunft begrüßten uns die Gastgeber: „Schön, dass ihr da seid. Euer Essen steht bereit!“ Dann führten sie uns an ihrer Familie vorbei in ein Nebenzimmer. Im Senegal speisen Gäste und Gastgeber nämlich getrennt, weil der Besuch sich nicht schämen soll, wenn er das Essen ganz aufisst. Daher wird immer eines der jüngeren Kinder der Familie zu den Gästen geschickt. So kann, wenn alles aufgegessen ist, gesagt werden: „Das war sicherlich unser Jüngster. Der isst immer so viel!“ Mein Freund hat das nicht verstanden. Er wollte mit der Familie essen. Als ich die Gastgeber fragte, ob das ginge, waren alle entsetzt und dachten, sie hätten etwas falsch gemacht. Am Ende saßen wir zwar alle zusammen, aber die Auswahl des Essens war kleiner, denn im Nebenraum hatte man uns die besten Stücke bereitgelegt.



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