Lernen vom Eisbär

von Robert Peroni

Was bleibt? (Ausgabe I/2016)

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Ein Polarbär. Illustration: Stephanie F. Scholz


Der Eisbär – „Nanoq“ – ist in Grönland ein besonderes Tier. Auf dem Nationalwappen ist er mit erhobener linker Tatze zu sehen. Die Grönländer glauben, dass er Linkshänder ist und so liebenswert, wie ein kleiner Hund. Vorausgesetzt er hat keinen Hunger. Vor zwanzig Jahren war die Anzahl der Eisbären stark zurückgegangen. Seit einiger Zeit hat sich der Bestand jedoch erholt, entgegen der Befürchtung, dass sich mit dem Klimawandel das Eis und damit sein Lebensraum verkleinern werden. 2006 wurde auch eine Jagdquote eingeführt; 2015 durften in Grönland 140 Eisbären erlegt werden. Die Eisbärjagd ist lang und mühsam.

Man verfolgt Tage und Nächte lang seine Spur. Ist die Jagd von Erfolg gekrönt, nimmt man den getöteten Eisbären bei beiden Ohren, schaut ihm ins Gesicht und entschuldigt sich. Der Jäger sagt: „Du bist mein Vorbild des Lebens, mein Muttertier und mein Vatertier. Aber heute war ich stärker und habe Hunger. Mit tut es leid, ich musste dich töten.“ Die Grönländer haben von den Bären gelernt, wie sie im Schnee überleben können. Die Iglus gleichen dem Höhlenbau der Tiere. Von einem erlegten Eisbären verwendet man alles. Mit dem Fell, das besonders lange die Wärme des spärlichen Lichts im Winter speichert, füttert man Stiefel, macht Handschuhe, Mützen und Hosen. Ihr Fleisch muss drei Stunden gekocht werden und schmeckt nach Kalbsfleisch und ein bisschen nach Fisch.



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