Wie Menschen in Europa leben

Was bleibt? (Ausgabe I/2016)


Lissabon – Die Stadt der Alten.

27 Prozent der 545.000 Lissabonner sind über 65 Jahre alt. Das ist europaweite Spitze. Viele Senioren sind Wohnungseigentümer und leiden damit weniger unter den hohen lokalen Mieten als andere Einwohner. Auch wenn sie eine Wohnung gemietet haben, profitieren sie mit ihren alten Verträgen von einer Übergangsregelung. Bis in die 1980er-Jahre galt eine Mietpreisbremse. Als sie aufgehoben wurde, zogen die Preise an und viele junge Menschen verließen die Stadt. Bei Mietern über 65 Jahre werden die Preise nur sehr langsam angepasst.

Dublin – Irischer Kindersegen

In der irischen Hauptstadt werden im europäischen Durchschnitt die meisten Kinder geboren. 2013 gab es ungefähr 19 Geburten pro 1.000 Einwohner. Dublin hat drei Entbindungskliniken, in denen jedes Jahr bis zu 27.000 Kinder zur Welt kommen. Auch im Ländervergleich hat Irland die höchste Geburtenrate: 14 Babys werden pro 1.000 Einwohner geboren, im europäischen Durchschnitt sind es zehn.

Luxemburg – Hauptstadt der Einwanderer

62 Prozent der Einwohner der Stadt Luxemburg haben keine luxemburgische Staatsbürgerschaft. Die meisten sind Portugiesen, die nach dem Zweiten Weltkrieg als Gastarbeiter kamen und hier bereits in der vierten Generation leben oder aufgrund der Wirtschaftskrise in Portugal heute einwandern. Wer die Staatsbürgerschaft erwerben möchte, muss die Landessprache sprechen. Viele Portugiesen sprechen aber hauptsächlich Französisch, da es auf dem Arbeitsmarkt eher gefragt ist als das Letzeburgische.

Brüssel – Die Mütter-Metropole

In fünf Prozent aller Brüsseler Haushalte leben Alleinerziehende mit ihren Kindern. Neun von zehn von ihnen sind Frauen. Besonders viele Akademiker gründen zunächst Familien in den Brüsseler Randbezirken. Nach einer Trennung ziehen die Mütter mit ihren Kindern oft zurück in die Stadt, denn dort ist das Wohnungsangebot besser als außerhalb. Laut belgischem Gesetz dürfen Kinder nur bei einem Elternteil gemeldet sein und das ist nach der Trennung meistens die Mutter.

Riga – Die große Abwanderung

Lettlands Hauptstadt hat die größte Abwanderungsrate Europas. Zwischen 1999 und 2013 verlor die Stadt 17 Prozent ihrer Einwohner. Die größte Abwanderungswelle verzeichnete Riga nach der Wirtschaftskrise 2008. Niedrige Löhne und Sozialleistungen sowie  die hohe Arbeitslosigkeit treiben junge Leute aus Riga ins Ausland. Ein landesweiter Trend: Bis 2012 verließen ungefähr zehn Prozent der zwei Millionen Letten das Land. Nur Litauen hat im Schnitt eine höhere Abwanderung.

Zusammengestellt von Ruth Beck und Magdalena Rausch



Ähnliche Artikel

Körper (In Europa)

Vorwärts ins Mittelalter

von Ralf Sotscheck

Wer die Gefühle Gläubiger verletzt, kann seit diesem Jahr in Irland bestraft werden. Erste Erfahrungen mit der Gesetzesnovelle

mehr


Frauen, wie geht's? (Pressespiegel)

Neue Weltwunder

„Sieben Weltwunder der Neuzeit“ wurden per Internet ermittelt und in Lissabon verkündet

mehr


Freie Zeit. Was Menschen tun, wenn sie nichts zu tun haben (Bücher)

Haus oder Ruine?

Thomas Hummitzsch

Wofür steht Europa? Junge Schriftsteller haben sich Gedanken gemacht

mehr


Freie Zeit. Was Menschen tun, wenn sie nichts zu tun haben (Bücher)

Haus oder Ruine?

von Thomas Hummitzsch

Wofür steht Europa? Junge Schriftsteller haben sich Gedanken gemacht

mehr


Was vom Krieg übrig bleibt (Kulturprogramme)

Gefillte Fisch sucht Fahrrad

von Nadja Cornelius

Jüdische Singlepartys sind in Lettland ein voller Erfolg. Organisiert werden sie vom jüdischen Gemeindezentrum „Alef“ in Riga

mehr


e-volution. Wie uns die digitale Welt verändert (In Europa)

Ein Stück vom Glück

von Paula Telo Alves

Luxemburg rief einst Portugiesen als Arbeitskräfte ins Land: Jetzt fordern die Einwanderer mehr soziale Teilhabe und Schulen für ihre Kinder

mehr