Editorial

von Jenny Friedrich-Freksa

Ich und die Technik (Ausgabe IV/2015)

-

Foto: Max Lautenschläger


Ich und die Technik, das meint heute vor allem: ich und mein Computer, ich und mein Mobiltelefon, ich und das Internet. Wir alle benutzen täglich digitale Geräte und Netzwerke, und wir lernen dauernd Neues dazu. Die
Digitaltechnik entwickelt sich in atemberaubendem Tempo weiter. Kann man sie überhaupt verstehen oder ist das Sache von Entwicklern, Programmierern und Systemadministratoren, von Technik-Freaks? Man muss die Informationstechnologie verstehen, finden wir, denn ihre Anwendungen sind heute überall auf der Welt zu wichtigen Kulturtechniken geworden.

Wir fragen deshalb in dieser Ausgabe, was Menschen über die Digitalisierung wissen sollten. In der westlichen Welt berührt das schnell die Themen Überwachung und Privatsphäre. Seit den Enthüllungen von Edward Snowden ist bekannt, wie leicht Daten zu erbeuten sind und wie viel man damit machen kann. Was sollte ein aufgeklärter Mensch also wissen über die Verschlüsselung seiner E-Mails oder die Facebook-AGBs? Was sollte er darüber wissen, was Google über ihn weiß?Anderswo stellen sich andere Fragen: In Marokko etwa haben nicht alle Menschen Zugang zum Internet, einfach, weil es zu teuer ist. Ein Forschungsprojekt in Indien erkundet derzeit, wie Digitalarchive wie Wikipedia auch ohne Internetverbindung zur Verfügung gestellt werden können. Und in Syrien kann man sehen, wie das Assad-Regime das Netz und seine Kommunikationswege abschaltet, während es Städte bombardiert – und wieder anschaltet, um seine Gegner auszuspähen.

Was macht die Technik mit uns und was machen wir mit ihr? Wo führt sie zu guten Entwicklungen, wo nicht? Diese Fragen ziehen sich durch das Heft. Die Ökonomin Shoshana Zuboff denkt über die „Informationszivilisation“ nach: Wird der Mensch vollkommen beherrscht werden? Oder wird sich die Idee des autonomen Individuums weiterentwickeln? Der Philosoph Peter Singer fragt, wie soziale Netzwerke den Altruismus fördern. Der Internet-Experte Tim Cole wiederum hält es mit Kant: „Wage es, selbst zu denken.“ Dazu will dieses Heft einladen: in die manchmal nicht leichte und trockene Welt der digitalen Technik einzutauchen – und sie besser zu verstehen.



Ähnliche Artikel

Menschen von morgen (Kulturprogramme)

Life is live

von Claudia Schmölders

Die Online-Bibliothek Europeana zeigt die unglaublichen Möglichkeiten und klaren Grenzen der Digitalisierung von Kulturgütern

mehr


High. Ein Heft über Eliten (Die Welt von morgen)

Nur für Smartphonenutzer

Eine Kurznachricht aus China

mehr


Treffen sich zwei. Westen und Islam (Die Welt von morgen)

Virtuelle Reiseregeln

Eine Kurznachricht aus Malaysia 

mehr


What? Wie wir fremde Sprachen übersetzen (Thema: Übersetzen)

Der Merkel-Algorithmus

von Thomas Petzold

Wer den Namen der deutschen Bundeskanzlerin in indische Suchmaschinen eingibt, bekommt die ersten Treffer aus erstaunlichen Quellen

mehr


e-volution. Wie uns die digitale Welt verändert (Thema: Digitalisierung)

Das neue Gehirn

von Nicholas Carr

Unser Denken in der Dot-Com-Ära wird immer schneller – nur leider nicht scharfsinniger

mehr


Ich und die Technik (Thema: Technik )

Durchs Netz geschlüpft

von Yunchao Wen

Die chinesischen Behörden überwachen das Internet sytematisch. Wie man es trotzdem schafft, sie auszutricksen

mehr