„Man braucht einen langen Atem“

Hyun-Sook Lee

Russland (Ausgabe III/2015)


Wie ist die Kukje Gallery zu einer der einflussreichsten Galerien Asiens geworden?
1982, als ich die Galerie eröffnete, war es aufgrund der wirtschaftlichen Lage noch nicht einfach, als Koreaner ins Ausland zu reisen, auch die Einladung ausländischer Künstler war schwierig. Der koreanische Kunstmarkt konzentrierte sich auf die Werke einheimischer Künstler. Als ich mit meiner Familie in die USA ging, um unseren Kindern eine gute Ausbildung zu ermöglichen, konnte ich mir viele Galerien ansehen und sehr viele Kunstrichtungen kennenlernen. Ich erkannte, dass die Werke, die in Korea populär waren, nicht mehr zeitgenössischen Trends entsprachen. Das motivierte mich, ausländische Künstler in Korea auszustellen. Unter den ersten Künstlern, die die Kukje Gallery in Korea vorgestellt hat, war Joseph Beuys. Heute vertreten wir Künstler wie Bill Viola, Anish Kapoor
oder Louise Bourgeois in Korea exklusiv.

Was wollen Sie mit Ihrer Galerie erreichen?
Ich mochte Kunst und sammelte sie. So fing alles an. Heute fühle ich mich für die Künstler verantwortlich, die ich vertrete. Ich gebe mein Bestes, um Koreaner auf dem internationalen Kunstmarkt zu etablieren. Wenn ein guter Künstler bekannt wird, dann lohnt sich die ganze Arbeit. Mir ist es aber auch wichtig, dass Galerien wie Kukje ihren Beitrag zur Kunstgeschichte Koreas liefern. Ich investiere sehr viel in die Kataloge, um sicherzustellen, dass unsere Ausstellungen dokumentiert werden.

Sie haben Künstler wie Kim Sooja, Hong Seung-Hye und Gimhongsok weltweit bekannt gemacht. Haben Sie eine besondere Beziehung zu ihren Werken?
Ja, wir entwickeln in der Tat lange Beziehungen zu unseren Künstlern. Wir haben aber nicht nur eine vertrauensvolle Partnerschaft zu den erwähnten Künstlern aufgebaut, sondern arbeiten auch mit vielen etablierten Künstlern wie Kibong Rhee, Haegue Yang und U Sunok nun schon mehr als zwanzig
Jahre zusammen. Man braucht einen langen Atem, um die Grundlage für eine nachhaltige Karriere zu legen.

Wie unterscheidet sich der südkoreanische vom ausländischen Kunstmarkt?
Die Summen, die in Europa, den USA oder Hongkong gehandelt werden, sind sehr viel höher als in Korea. Hier gibt es noch nicht so viele Menschen, die teure Kunst kaufen oder sammeln. Es ist wichtig, daran zu erinnern, dass es vor der Befreiung von der japanischen Besatzung 1945 keinen Kunstmarkt gab. Bis in die 1980er-Jahre hinein war die beliebteste Kunstrichtung eine vom westlichen Malstil beeinflusste impressionistische Malerei von Künstlern, die in Japan oder Frankreich studiert hatten. Zur selben Zeit dominierten Minimalismus und monochrome Malerei den internationalen Markt. Auch in Korea gab es eine vergleichbare Strömung, „Dansaekhwa“.

Sie haben 2014 Künstler dieser Bewegung in Ihrer Galerie gezeigt. Was ist das Besondere daran?
Noch in den 1940er- und 1950er-Jahren standen bei uns viele Künstler in der Tradition der klassischen koreanischen Kunst und malten figurativ. Doch nach dem Ende des Koreakrieges 1954 wandten sie sich der abstrakten Malerei zu, setzten sie in Bezug zur koreanischen Tradition. Die Künstler, von denen viele mit der Dansaekhwa-Bewegung in Verbindung gebracht werden, werden jetzt wiederentdeckt. Sammler kaufen heute monochrome Bilder koreanischer Maler.

Wie sieht man in Südkorea die Entwicklung des Kunstmarkts?
Der Markt hat sich mit international anerkannten Veranstaltungen wie der Gwangju Biennale stark weiterentwickelt. Als Okwui Enwezor 2008 Kurator der Biennale wurde, änderte sich die Kunstlandschaft. Durch ihn sind Sammler aus aller Welt nach Korea gekommen. Kunst wird zunehmend als Investition angesehen. Natürlich besorgt mich das ein wenig. Denn ich wünsche mir Sammler, die die Werke wegen ihres Inhalts lieben.

Gibt es viele Sammler in Südkorea? Wer sind die wichtigsten Kunden?
Koreanische Sammler tendieren dazu, ähnliche Werte zu haben wie die aus dem Westen. Sie kaufen Werke von Gerhard Richter, Roy Lichtenstein, Joan Mitchell und Jean-Michel Basquiat. Es fällt mir schwer, die Namen von Kunden preiszugeben. Das Leeum Museum of Art in Seoul ist aber einer der wichtigsten Unterstützer der Kunst in Korea.

Welche Rolle spielen koreanische Künstler auf internationalen Messen wie der Art Basel?
Da Kunstmessen zu einem wichtigen Ort geworden sind, an dem Kunstsammler aus dem Westen mit koreanischer Kunst in Berührung kommen, ist die Kukje Gallery seit fast 25 Jahren auf internationalen Messen vertreten, um die zeitgenössische koreanische Kunst einem größeren Publikum im Ausland vorzustellen. Die ersten 15 Jahre habe ich den Schwerpunkt auf die bloße Teilnahme an der Veranstaltung gelegt. So viel Zeit hat es gebraucht, bis die Galerie das Vertrauen der Kunden gewinnen konnte. Wenn ich heute zur Art Basel Hong Kong fahre, komme ich mit einer leeren Kiste zurück.

Wie sind die Perspektiven für junge Künstler in der Kunstszene Südkoreas heute?
Galerien spielen nach wie vor eine große Rolle. Künstler promoten sich heutzutage aber auch selbst gut. Darüber hinaus gibt es mittlerweile koreanische Kuratoren, die auch auf internationaler Ebene in der Kunstszene eine wichtige Rolle spielen.

Das Interview führte Youngyee Kim
Aus dem Koreanischen von Young-Sim Song



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