... in der Ukraine

von Tetiana Umin

Wir haben Zeit. Ein Heft über Langsamkeit (Ausgabe II/2015)


Mazijiwka, östlich von Kiew, gelegen in der Oblast Tschernihiw und mehr als 500 Kilometer entfernt von den Kampfgebieten im Donezbecken, ist ein typisches ukrainisches Dorf: malerisch, versteckt und verlassen. Bis in die 1980er-Jahre war es ein Zentrum für Rinderzucht. Heute leben kaum 500 Menschen dort, meist Rentner. Marija Nikulina, 78 Jahre alt, ist eine von ihnen. Ihr Haus wurde in den 1920er-Jahren im traditionellen Stil aus Lehm und Schilf erbaut.

Außen ist es mit Kalk, innen mit Kreide geweißelt, das Dach mit Eternit-Wellplatten gedeckt. Drinnen gibt es ein Wohnzimmer und ein Schlafzimmer, dazu eine Speisekammer und einen aus Ziegeln gemauerten Ofen. Er ist so konstruiert, dass man auf ihm liegen und schlafen kann. Eine Ecke mit Ikonen ist ein Muss in jedem ukrainischen Haus. Über dem Esstisch und mit Tüchern dekoriert ermahnen und schützen sie die Bewohner. Es gibt weder fließendes Wasser noch ein Klo im Haus. Einzig Radio und Kühlschrank verweisen auf den technischen Fortschritt neben dem Handy, das die Oma mit ihrer Familie verbindet. Wie gemalt steht das Häuschen inmitten von Kirschbäumen und passt mit seinen lackierten Fensterrahmen ins grüne Paradies.



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