China: Hochzeit, drei Gold

Wir haben Zeit. Ein Heft über Langsamkeit (Ausgabe II/2015)


In China feiert eine alte Tradition ihr Comeback: Beim „Jiehun san jin“, was so etwas wie „Hochzeit, drei Gold“ bedeutet, schenkt die Familie des Bräutigams der Braut nicht nur einen goldenen Ring, sondern auch noch Ohrringe und eine Halskette dazu. Die Halskette steht für Glück, die Ohrringe repräsentieren zwei Schutzengel und der Ring symbolisiert die Aufnahme der Braut in die Familie und ihr Streben danach, eine gute Ehefrau zu sein. Gold und Jadeschmuck gelten in China seit Langem als glücksverheißende Geschenke zur Hochzeit. Doch im wirtschaftlichen Abschwung unter der Herrschaft von Mao Zedong mussten sich Frischvermählte oft mit einem Spruchband des Parteiführers, einem Fahrrad oder einer Nähmaschine zufriedengeben. Nun ruft der Aufstieg der Mittelklasse den Brauch des „Jiehun san jin“ wieder ins Leben. Im vergangenen Jahr kauften chinesische Familien insgesamt 699 Tonnen Goldschmuck, von denen etwa vierzig Prozent auf Hochzeitsschmuck entfielen. In manchen prosperierenden Städten Südchinas verschenken Familien sogar fünfteilige Schmucksets. Ein dreiteiliges Set kostet etwa 10.000 Yuan (rund 1.200 Euro).

 

Lily Kuo arbeitet für das US-amerikanische Businessnews-Portal Quartz. Sie lebt in Hongkong.

 



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