Diplomatische Zankäpfel

Gudrun Czekalla

Menschen von morgen (Ausgabe I/2009)


Weiß, Peter Ulrich: Kulturarbeit als diplomatischer Zankapfel. Die kulturellen Auslandsbeziehungen im Dreiecksverhältnis zwischen der DDR, der Bundesrepublik Deutschland und Rumänien von 1950 bis 1972. Potsdam, Univ., Dissertation, 2007. 385 Seiten.
1950 wurde zwar das erste Kulturabkommen zwischen Rumänien und der Deutschen Demokratischen Republik unterzeichnet, doch die Anfänge der Kulturbeziehungen waren mühsam. Vollends frostig wurden sie, als es 1967 zu diplomatischen Beziehungen zwischen Rumänien und der Bundesrepublik Deutschland kam. Zu dieser Zeit hatte sich die rumänische Kulturpolitik liberalisiert und das Land gefiel sich in der Rolle des unangepassten Ostblockstaats. Peter Weiß zeigt in seiner chronologisch angelegten Arbeit, welche innen- und außenpolitischen Faktoren das deutsch-deutsche Konkurrenzverhältnis prägten und inwieweit die rumänische Politik zur Ent- oder Verschärfung der Konkurrenz beitrug. Weder der DDR noch der Bundesrepublik gelang eine langfristige gezielte Profilarbeit für ein Kulturprogramm oder der Aufbau kultureller Länderimages in Rumänien.

Bauer, Anke: Kontinuität und Wandel in der italienischen Außenpolitik am Beispiel der Auswärtigen Kulturpolitik. Tübingen, Univ., Magisterarbeit, 2007. 128 Seiten.
Als Enfant terrible ohne europapolitisches Programm und langfristige außenpolitische Agenda – so wird Italien von 2001 bis 2006 in der europäischen Forschungsliteratur charakterisiert. Nach langen Jahren außenpolitischer Kontinuität vollzog sich ab 2001 in Italien ein Wandel, der sich besonders gut am Beispiel der Auswärtigen Kulturpolitik verdeutlichen lässt. Zu dieser Zeit zeigte sich ein neu erwachtes Interesse an den kulturellen Außenbeziehungen sowie ein Trend hin zur stärkeren Instrumentalisierung der Auswärtigen Kulturpolitik zugunsten wirtschaftlicher Interessen. Anke Bauer versucht in ihrer Arbeit, durch die historische Diskursanalyse das außenpolitische Verhalten Italiens anhand seiner nationalen Identität zu erklären. Eines der wichtigen Elemente, das den italienischen Regierungsdiskurs ab 2001 auszeichnete, war das Bild von Italien als bedrohtem Außenseiter. Auffallend war daneben die Vorstellung vom italienischen Sonderweg im internationalen System.

Darmer, Anne: Der Wandel der Auswärtigen Kulturpolitik der Bundesrepublik nach der Deutschen Wiedervereinigung am Beispiel des Goethe-Instituts in Frankreich. Leipzig, Univ., Magisterarbeit, 2008. 92 Seiten.
Fand nach dem Mauerfall eine thematische Neuausrichtung der Programmarbeit in den Goethe-Instituten Paris und Lyon statt? Kam es zu einer sichtbaren Steigerung ostdeutscher Kulturbeiträge und landeskundlicher Informationen über die neuen Bundesländer? Nach der Auswertung der Monatsprogramme 1987 bis 1995, der Leitfadeninterviews mit den Programmverantwortlichen und einer Querschnittserhebung im Jahr 2006 kommt Anne Darmer zu ernüchternden Ergebnissen. Sie konstatiert eine „unzulängliche Berücksichtigung der ostdeutschen Kultur“, und dies auch 16 Jahre nach der Wiedervereinigung. Es gab weder einen signifikanten Zuwachs an Symposien zum neuen Deutschland, noch wurden ostdeutsche Künstler in den Programmen der Goethe-Institute entsprechend berücksichtigt. Stattdessen fällt die hohe Beteiligung französischer und internationaler Akteure auf. Obschon konzeptionell in der Programmarbeit der Institute in Paris und Lyon auf die deutsche Wiedervereinigung reagiert wurde, gelang es nicht, ein vollständig aktualisiertes Deutschlandbild in Frankreich zu präsentieren.

Drechsel, Denise: Promoting German as a Foreign Language. Eine Analyse der Strategien und Arbeitsprogramme des Goethe-Instituts in Großbritannien. Chemnitz, Univ., Magisterarbeit, 2006. 110 Seiten.
Warum sollen Engländer eine Fremdsprache lernen? Und warum ausgerechnet Deutsch? 2001 wurde in Großbritannien die Language National Steering Group gegründet, um eine neue Fremdsprachenstrategie für das Land zu entwickeln. Dass Deutschland der größte nicht englischsprachige Handelsmarkt für Großbritannien ist, bietet in diesem Zusammenhang einen Ansatzpunkt für die Bemühungen der Goethe-Institute in Großbritannien zur Verbreitung der deutschen Sprache. Denise Drechsel beschreibt in ihrer Arbeit den Ist- und den Soll-Zustand des Fremdsprachenunterrichts an britischen Schulen und Universitäten, die Situation der Lehrerausbildung in Großbritannien und stellt die Fremdsprachenstrategie der Language National Steering Group vor.

Mudzo-Wieloch, Daria: Vier Jahrzehnte deutsch-französische Kulturpolitik. Mit einer Diskussion der Ausweitung auf Polen. Frankfurt (Oder), Univ., Diplomarbeit, 2007. 130 Seiten.
Mehr als 50 Abkommen und gemeinsame Erklärungen bilden heute den Rahmen für die deutsch-französischen Kulturbeziehungen. Doch trotz dieser festen etablierten Strukturen verstummen die kritischen Stimmen nicht. Dies nimmt die Autorin zum Anlass, eine umfassende Gesamtdarstellung der deutsch-französischen Kulturbeziehungen vorzulegen und deren Erfolge, aber auch die Probleme auf politischer und zivilgesellschaftlicher Ebene zu beschreiben. Sie geht dabei auf die Vorgeschichte und die kulturelle Dimension des Elysée-Vertrags ein und stellt dar, wie sich aus ihm eine nachhaltige konzeptionelle Kulturarbeit entwickeln konnte. Auf der Basis einer Expertenbefragung aus dem Jahr 2006 macht sie Vorschläge, wie sich die deutsch-französischen Kulturbeziehungen auf Polen ausweiten lassen.



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