Die Hexe bringt Geschenke

von Pierluigi Mennitti

High. Ein Heft über Eliten (Ausgabe I/2015)


In der Hauptstadt des Katholizismus gibt es ein Fest, das fast wichtiger ist als Heiligabend: Rom feiert eine zerzauste Hexe, die auf einem Besen reitet. Sie heißt Befana. Durch Kamine gelangt sie in die Häuser der Italiener. Die Strümpfe der braven Kinder füllt sie mit Süßem und Geschenken, die der unartigen mit Kohlestücken. Sie kommt in der Nacht zum 6. Januar mit italienischer Unpünktlichkeit einen Monat später als der deutsche Nikolaus. Ihr Name ist an jenen des christlichen Feiertags Epifania angelehnt, den Dreikönigstag.

An diesem Tag wollte die Hexe Befana das Jesuskind besuchen, verirrte sich und schwirrt seitdem umher. Von Rom aus verbreitete sich die Tradition in ganz Italien. Schon tausend Jahre vor Christus ehrten Bauern eine weibliche Figur und hofften dabei auf eine gute Ernte im neuen Jahr. Im Mittelalter vereinnahmte die Kirche dieses heidnische Fest und fügte ihm eine Moral von Gut und Böse hinzu: Süßigkeiten oder Kohlestücke, Belohnung oder Strafe. Das lässt die Kinder auch heute bis zum Sonnenaufgang nicht schlafen.



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