Kultur crasht mit

Menschen von morgen (Ausgabe I/2009)


Die Ohnmacht der Wirtschaft und die Not der Wall Street fordern einen hohen Tribut bei den Kunstmuseen. Der Kunstboom der vergangenen zwei Jahrzehnte und die damit verbundenen rasant steigenden Kosten für Beschaffung und Versicherung von Kunst haben Museen dazu verleitet, ihre Direktorien mit wohlbetuchten Führungskräften von Immobilienfirmen, Finanzinstituten und Hedgefonds zu besetzen – Branchen, die jetzt mit am stärksten von der Krise betroffen sind. 
Alexandra Peers in THE WALL STREET JOURNAL (New York) vom 30.10.2008
 
Aus dieser finanziellen Katastrophe kommt niemand unbeschadet davon. Die globale Finanzkrise vor 20 Jahren hatte eher lokale Auswirkungen um London und New York herum, zumindest was den Kunstmarkt betraf. Aber das war damals. Die heutige Kunstwelt ist sehr viel gleicher und globaler. Es fragt sich, wer die Kunstwelt in den am stärksten betroffenen Gegenden noch unterstützen kann. Die Emirate? Europa? 
Kriston Capps in THE GUARDIAN (London) vom 14.11.2008 
 
Die Opera Pacific, das professionelle Opern-ensemble von Orange County, das von einem kleinen Trupp von Großsponsoren am Leben erhalten wurde, hat wohl seinen Schwanengesang angestimmt, wenn es nicht noch zu einer märchenhaften Rettung kommt. Sollte es untergehen, wird das Opernhaus Opfer der diesjährigen Finanzkrise an der Wall Street .
Mike Boehm in LOS ANGELES TIMES vom 06.11.2008
 
Wenn gerade mal ein Prozent des Kulturlebens in den USA mit öffentlichen Geldern subventioniert wird (statt 90 Prozent wie in Deutschland), helfen nicht Ruhm noch Trotz gegen das Lehman-Debakel. Weitere Opernhäuser, ganze Orchester könnten verschwinden. 
Volker Hagedorn in DIE ZEIT (Hamburg) vom13.11.2008 



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