Preis trotz Drohung

Menschen von morgen (Ausgabe I/2009)


Hinter den Kulissen hat China versucht, seinen Einfluss gegen eine Nominierung Hus für den Sacharow-Preis geltend zu machen. [...] China hat auch davor gewarnt, Herrn Hu den Friedensnobelpreis zu verleihen, und ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Qin Gang, nannte ihn herabwürdigend einen „verurteilten Kriminellen“.
Jim Yardley in THE NEW YORK TIMES vom
24.10.2008

„Wir hoffen, dass der Preis den richtigen Leuten verliehen wird“, hat ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums noch empfohlen. Er ist gehört worden. [...] Die Auszeichnung für den Bürgerrechtler Hu ist politisches Debakel, diplomatische Peinlichkeit und starkes Signal in einem: Kurz vor Beginn des Gipfels der Staats- und Regierungschefs der EU mit den Führern der ASEAN-Staaten Japan, Südkorea und China in Peking hat das Europaparlament seine Unabhängigkeit bewiesen.
DER STANDARD (Wien) vom 24.10.2008

Hoffentlich wird der Sacharow-Preis dem Menschenrechtler Hu Jia in seinem Kampf gegen Machtmissbrauch, Umweltverschmutzung oder bei seinem Engagement für AIDS-Kranke in China helfen und ihm während seiner dreieinhalbjährigen Haftstrafe etwas Trost spenden. Außerdem könnte die Auszeichnung die chinesische Regierung davon überzeugen, dass Wutanfälle und Drohungen nicht der richtige Weg sind, um dem prüfenden Blick der Weltgemeinschaft zu entgehen.
GLOBE AND MAIL (Toronto) vom 24.10.2008

Mit der Vergabe des Preises an Hu Jia unterstützt die EU nicht nur einen Menschen im Kampf gegen ein brutales System sie sendet an die Chinesen auch das Signal, dass Menschenrechte tödlich ernst genommen werden müssen.
POLITIKEN (Kopenhagen) vom 24.10.2008



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