Bilder einer Reise

Okello Eugene Pacelli

Menschen von morgen (Ausgabe I/2009)


Als ich zum ersten Mal den Ausschreibungstext des Programms „Go Africa ... Go Germany” von einem Dozenten der Gulu University erhielt, dachte ich nicht, dass ich daran teilnehmen könnte. Ich arbeite Vollzeit für eine Regierungsinstitution unter dem Justizministerium. Auch Deutschlands Ruf in Bezug auf Rassismus und Diskriminierung ließen mich zweifeln. Das Programm wirkte mysteriös und es gab keine eindeutigen Informationen darüber im Internet. Ein Freund von mir, mit dem ich mich bewarb, dachte, dass es dabei um Menschenhandel gehen würde. Unsere Eltern waren beunruhigt, als wir beide mit unserer Bewerbung erfolgreich waren. Wie auch immer: Wir erhielten unsere Visa und warteten auf unseren Reisestart.

Wir verließen am Morgen des 30. August 2008 Uganda vom Jomo Kenyatta Flughafen aus und kamen gegen sechs Uhr morgens in Kenia an, von wo aus wir gegen 9.15 Uhr einen rund achtstündigen Flug gen Amsterdam antraten. Gegen 20.30 Uhr ging es dann weiter in Richtung München. Bei der Zollabfertigung gab es ein Problem. Wir sollten genau erklären, was wir in Deutschland vorhaben. Als ich den Beamten den Einladungsbrief und den Telefonkontakt für Notfälle gab, den wir von der Bundeszentrale für politische Bildung erhalten hatten, stellten sie keine weiteren Fragen mehr. Sie realisierten, dass das Programm vom Bundespräsidenten Horst Köhler initiiert worden war.
In München begrüßte uns Nicola Schröder. Das war einer der glücklichsten Momente in Deutschland – der andere war der Empfang beim Bundespräsidenten –, jemanden zu treffen, mit dem man bereits in den letzten sieben Monaten Kontakt gehabt hatte. Sie war unsere Freundin geworden, bevor wir sie trafen.
Das erste Essen in Deutschland war, ehrlich gesagt, nicht so gut. Das Fleisch war halb oder ganz gegart, der Fisch war mit Milch zubereitet. Die ganze Mischung war für viele aus Ostafrika ziemlich verrückt. Auch das sprudelnde Mineralwasser war ungewöhnlich, wir griffen auf stilles Wasser zurück. Die nächste Station war Berlin. Wie in Köln, wo wir den Dom besichtigten, und in München gab es auch dort so viel zu sehen. Berlin ist voller Geschichte: der Bundestag, das Schloss des Bundespräsidenten, die Berliner Mauer – um nur einige zu nennen. Vorlesungen von Prof. Dr. Henrik Enderlein, Professor für politische Ökonomie an der Hertie School of Governance in Berlin, und Prof. Dr. Manfred Görtemaker, Professor für Neuere Geschichte an der Universität Potsdam, zeigten, dass gute wirtschaftliche Methoden in Verbindung mit einem wohldurchdachten Gesetzeswerk Deutschland dorthin gebracht haben, wo es heute ist. Von einer solchen Infrastruktur können wir nur träumen. Dafür wird Afrika bestimmt noch hundert Jahre brauchen. Die Rede von Horst Köhler motivierte mich so sehr, dass ich nun der Überzeugung bin, dass wir tatsächlich etwas an der Lage Afrikas ändern können. Ich wage sogar zu behaupten, dass ich nicht mehr der gleiche Mensch bin. Übrigens, ich finde, die Deutschen sind gute Menschen.

Aus dem Englischen von Christine Müller

Das Programm „Go Africa ... Go Germany“ wurde von Bundespräsident Horst Köhler initiiert. Die Teilnehmer sind zwischen 20 und 27 Jahren alt. Sie nehmen an einer zweiwöchigen Bildungsreise im jeweils anderen Land teil, um jenseits von Klischees neue Sichtweisen zu erlangen. Längerfristig wird die Gründung eines Deutsch-Afrikanischen Jugendwerks angestrebt. Die Kosten des Programms werden vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und von der Bundeszentrale für politische Bildung übernommen. Weitere Informationen unter www.bpb.de



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