Nicht ohne meinen Zahnstocher

von Johanna Wild

Brasilien: alles drin (Ausgabe I/2013)


Bei einem guten ruandischen Essen darf eines nie fehlen: Zahnstocher. Plastikdöschen mit den kleinen Holzstäbchen stehen auf jedem Restauranttisch. Die Stäbchen sind nicht etwa deshalb so wichtig, weil man sich damit hinter vorgehaltener Hand von lästigen Essensresten befreien will. Ist der Zahnstocher nach beendeter Mahlzeit erst einmal zwischen den Zähnen, ist es für viele Männer das höchste der Gefühle, ihn möglichst lange im Mund zu behalten. Dort wandert er für alle sichtbar hin und her oder schaut keck aus einem Mundwinkel hervor. Doch wie kam es zu dieser Sitte? Die tiefere Bedeutung des Phänomens findet sich in der Vergangenheit. Traditionell konnten sich nur wohlhabende Menschen den Genuss einer fleischhaltigen Mahlzeit leisten. Und da sich Fleisch leichter zwischen den Zähnen verfängt als andere Nahrungsmittel, demonstriert derjenige, der darauf angewiesen ist, sein Gebiss zu reinigen, seinen gehobenen Ernährungsstil. So manch junger Städter wendet sich zwar inzwischen von dieser Gewohnheit ab, doch zugleich erlebt das Phänomen ein Revival. Denn auch international bekannte Rapper wie P. Diddy tragen gerne einen Zahnstocher im Mund. Und welcher junge Mann wäre nicht gerne so cool wie sie?



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