Einmal Popstar

von Anna Raulf

Vom Sterben. Ein Heft über Leben und Tod (Ausgabe IV/2012)


Im Scheinwerferlicht über einen roten Teppich schreiten, vom Kreischen junger Frauen und den Blitzlichtern der Fotografen begrüßt werden: Was nach dem Leben eines Popstars klingt, können tansanische Frauen auf ihrer „Send-off“-Party erleben. Kurz vor der Hochzeit und dem bevorstehenden Auszug aus dem Elternhaus wird eine große Feier organisiert, um die Tochter in allen Ehren zu verabschieden. In einer großen Halle, die üppig in den Farben ihres Kleides dekoriert ist, nimmt das Send-off-Girl auf einem Thron auf der Bühne Platz (neben ihr sitzt oft die beste Freundin, um ihr Gesellschaft zu leisten). Ein Moderator führt durch den Abend und alle Augen sind auf die zukünftige Braut gerichtet. Großleinwände übertragen, wie sie tanzt, Geschenke erhält, die Torte anschneidet, sich am Buffet bedient und dabei alle Mühe gibt, gut auszusehen. Die Familie der Braut organisiert die Feier, die umgerechnet ein paar Tausend Euro kosten kann, was für tansanische Verhältnisse sehr viel Geld ist. Jedoch ist es üblich die Kosten mit dem gesamten Freundes- und Bekanntenkreis zu teilen: Nur wer einen Beitrag leistet, wird auch eingeladen. Häufig sind 25 Euro das Minimum, ab 50 Euro darf man noch eine Begleitperson mitbringen. Bei der Hochzeit ist dann die Familie des Mannes für die Organisation und die Finanzierung zuständig – und die Show dreht sich dann um das Paar.



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