Schenk mir ein Märzchen

von Carola Heinrich

Geht doch! Ein Männerheft (Ausgabe I/2012)


Als Kind bekam ich immer zum ersten März ein „mărțișor“ geschenkt. Das ist eine dünne, rot-weiß gezwirbelte Wollschnur, an der ein kleiner Anhänger befes-tigt ist. Ich trug sie ganz stolz den ganzen Monat hindurch wie eine Brosche an meiner Kleidung. Heute, da ich nicht mehr in Rumänien lebe, kommt es leider nur noch als E-Mail, in Form eines Bildchens. Doch die Bedeutung ist dieselbe geblieben. Das „Märzchen“, wie man es im Deutschen nennt, symbolisiert den Frühlingsanfang und soll Glück bringen.

Keiner weiß so recht, ob der Brauch auf die Römer oder auf die Thraker, die Ureinwohner Rumäniens, zurückgeht. Doch bei beiden wurde am ersten März das Neujahrsfest gefeiert. Das Märzchen ist eine Art Talisman, der seinen Träger schützen und Freude und Gesundheit für das neue Jahr bringen soll.

Heute schenkt man zum Frühlingsanfang den Frauen und Kindern ein Märzchen vor allem als Geste von Freundschaft und Liebe. Früher hingen daran auch Silbermünzen, mit denen die Mädchen sich Brot und Wein kaufen konnten, heute sind es alle möglichen Anhänger, meistens Glücksbringer wie Kleeblätter oder Hufeisen, häufig auch Frühlingsmotive wie Blumen oder Schmetterlinge. Das Märzchen trägt man, bis die ersten Obstbäume zu blühen beginnen. Dann nimmt man den Anhänger ab und bindet das Band um einen blühenden Ast. Aber nicht verraten, was man sich dabei wünscht – sonst geht es nicht in Erfüllung!



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