Reiner Montag

von Christina Poulitsi

Inseln. Von Albträumen und Sehnsüchten (Ausgabe II/2014)


Können Sie sich vorstellen, wie es aussieht, wenn Tausende bunte Papierdrachen gleichzeitig am Himmel schweben? Den Einwohnern meiner Geburtsstadt Athen bietet sich dieser Anblick jedes Jahr: am Kathara Deftera, dem "Reinen Montag". Er markiert das Ende des Karnevals und den Beginn der vierzigtägigen Fastenzeit vor Ostern. An diesem Tag lassen viele Griechen nach orthodoxer Tradition Drachen steigen. Sie sollen Reinigung und die Erhebung der Seele symbolisieren. Als Kind war das für mich jedes Mal ein großer Spaß.

Schon Tage vorher habe ich meinem Vater geholfen, den Drachen zu basteln, und war dann immer sehr glücklich, unser Werk fliegen zu sehen. Am Kathara Deftera kommen Familie und Freunde zusammen und essen Meeresfrüchte und Taramas, eine Paste aus Fischrogen. Auch Lagana, ein spezielles Brot, gehört dazu. Heutzutage gucken die Leute nicht mehr so oft in den Himmel und träumen. Am "Reinen Montag" können sie das tun. Das griechische Wort für Mensch, ánthropos, lässt sich übrigens mit "der Hinaufschauende" übersetzen.



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