Geraubter Sand

von Michael Welland

Inseln. Von Albträumen und Sehnsüchten (Ausgabe II/2014)


Seit Tausenden von Jahren wird Sand an Küsten, vor Inseln, an Stränden und Flüssen abgebaut. Daraus werden Beton, Zement und Glas hergestellt, oder der Sand wird anderswo aufgeschüttet. Auch für Arzneimittel und Computerchips brauchen wir Sand. So werden jedes Jahr etwa 15 Milliarden Tonnen vom Meeresgrund und von Küsten abgebaut. Die Wüste stellt uns zwar scheinbar unendliche Mengen an Sand bereit, doch ist der Sand von Küsten und Inseln aufgrund seiner schärferen Kanten besser zur Weiterverarbeitung geeignet.

Der Abbau geschieht häufig illegal. Von einzelnen Menschen in Kambodscha, die den Sand in Säcken oder Lastwägen abtransportieren, bis hin zu großen Unternehmen in Singapur: Mafiöse Strukturen beherrschen oft das Geschäft mit dem Sand. Aufgrund des Wirtschaftswachstums wird in Singapur viel gebaut und das Gebiet der Stadt mit aufgeschüttetem Sand vergrößert. Eine Zeit lang bauten Unternehmen Sand von indonesischen Inseln ab, die deshalb teilweise sogar untergingen, bis die indonesische Regierung das verbot.

Jetzt holt sich Singapur den Sand von Stränden in Vietnam oder Kambodscha. Besonders auf Inseln kann der Sandabbau, ob legal oder illegal, schlimme Folgen haben: Fehlt der Sand am Strand, ist dieser einer verstärkten Erosion ausgesetzt. Werden Sanddünen abgebaut, geht deren Schutzfunktion verloren; saugen die Maschinen Fische und Pflanzen ab, werden Fischer zunehmend ihrer Lebensgrundlage beraubt. Das Dilemma: Auf vielen Inseln ist Sandabbau die einzige Beschäftigungsmöglichkeit und Sand das einzige Produkt, das sich gewinnbringend verkaufen lässt.

Protokolliert von Clara Heinrich



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