Editorial

von Jenny Friedrich-Freksa

High. Ein Heft über Eliten (Ausgabe I/2015)

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Foto: Max Lautenschläger


Die digitale Elite trifft sich im Silicon Valley, die wichtigsten Banker in London und das politische Spitzenpersonal bei den G7-Gipfeln weltweit. Viele von ihnen kennen sich schon lange: aus Studentenzeiten an den Universitäten von Harvard oder Cambridge. Zu viele Menschen, die weltweit in privilegierten Kreisen verkehren – egal, ob Wirtschaftsexperten, Medienschaffende oder Intellektuelle –, werden in den gleichen westlichen Top-Bildungseinrichtungen ausgebildet, sagt der indische Autor Pankaj Mishra im Gespräch.

Die globalen Eliten ähneln sich: Sie beherrschen dieselben Codes und bilden ein gemeinsames System. Und sie kooperieren aufgrund ihres gleichen Backgrounds. So ein Zusammenhalt hat Vor- und Nachteile. Weltweite Probleme wie der Klimawandel können nur international und gemeinsam angegangen werden. Gleichzeitig ist zu viel Konsens lähmend. „Die Verantwortlichen nehmen ihre Handlungsstarre nicht zur Kenntnis“, schreibt Mojib Latif vom Hamburger Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in seinem Beitrag über das Versagen der Eliten beim Klimaschutz.

Was sind Eliten? Es sind Menschen mit außergewöhnlichen Fähigkeiten, vielen Privilegien oder besonderem Einfluss. Das Wort „Elite“ ist negativ besetzt. Auch fast alle Autoren und Experten, die an dieser Ausgabe mitgewirkt haben, wollen sich lieber nicht als Teil einer Elite verstanden wissen. Denn mehr als zu einem Begriff für Exzellenz ist das Wort zum Synonym für eine mit Sonderrechten ausgestattete Oberschicht geworden, die sich für den großen Rest der Menschheit herzlich wenig interessiert.

Wir schauen in unseren Beiträgen auf Organisationen wie die Mafia oder den Mossad. Die Wirtschaftsprofessorin Sarah Spiekermann, der Hacker Rop Gonggrijp und der Medientheoretiker Geert Lovink beschreiben die neuen Tech-Eliten. Die Intelligenzforscherin Elsbeth Stern erklärt, woher Klugheit und Scharfsinn kommen. Teju Cole und Peter Singer denken über Geisteseliten nach. Und Armen Avanessian fragt, wie intellektueller Widerstand heute aussehen kann. Wir lernen: Am meisten bewegen derzeit Experten und Deserteure wie Edward Snowden – jene, die den Mut haben, ihre Kreise zu verlassen.



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