Editorial

von Jenny Friedrich-Freksa

Was machst du? Wie Menschen weltweit arbeiten (Ausgabe II/2013)

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Foto: Max Lautenschläger


Es ist ungerecht: Die einen arbeiten zu viel und sind dauernd erschöpft. Die anderen haben keine oder zu wenig Arbeit und können deshalb oft nur eingeschränkt am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Kaum etwas in unserem Leben nimmt so viel Raum ein wie Arbeit: Wir arbeiten, um Geld zu verdienen, aber auch, um unsere Zeit sinnvoll zu füllen; um jemand zu sein, der wir sein wollen, oder um einen Status zu erlangen, der in den Augen anderer zählt. Der Beruf ist oft das Erste, was uns einfällt, wenn wir einen Menschen beschreiben, ganz gleich, ob es um den Klempner in Kassel oder die Software-Ingenieurin in Singapur geht.

Es gibt ganz verschiedene Arbeitskulturen weltweit: Die Norweger gehen spätestens um vier nach Hause, die Japaner immer erst nach dem Chef. In Usbekistan werden viele Bürger - vor allem Kinder - gezwungen, die einheimische Baumwolle zu ernten. Und nirgendwo arbeiten die Menschen so viel wie in Peru: im Schnitt mehr als 49 Stunden in der Woche. Doch so unterschiedlich Arbeit weltweit organisiert, bezahlt oder gewertschätzt wird - die Menschen sind durch globale Märkte und digitale Technik in ihrer Arbeit heute vernetzter als je zuvor. In dieser Ausgabe erzählt die Inderin Karthiga Nallasamy, die bei einem Outsourcing-Unternehmen in Bangalore arbeitet, wie sie sich ihre Kunden in Amerika und Europa vorstellt, die sie nur aus E-Mails und vom Telefon kennt.

Der chinesische Dissident Harry Wu berichtet, dass das New Yorker Luxuskaufhaus Saks Tragetaschen benutzt, die in chinesischen Arbeitslagern hergestellt wurden. Und der Wirtschaftswissenschaftler Guy Standing von der School of Oriental and African Studies in London beschreibt in seinem Einleitungsessay, wie derzeit international ein neues Prekariat entsteht, die "Working Poor": Menschen, die arbeiten, aber davon nicht leben können. Diese Ausgabe zeigt, wie Menschen heute arbeiten: welche Freude sie damit verbinden und welchen Frust. Welche Leistungen sie bringen und welche Gegenleistungen sie dafür erhalten. Und wie der Weltmarkt ihre Arbeitsplätze und Lebensläufe prägt. Bei vielen jungen Menschen ändert sich interessanterweise derzeit die Einstellung zur Arbeit.

Sie wollen gut leben können, aber Status ist ihnen nicht mehr so wichtig, sagt der amerikanische Psychologe Jeffrey Young. Nur in New York ist alles noch beim Alten. Für ein kleines bisschen Ruhm und Ehre schuften die Menschen von früh bis spät. "In New York", so Young, "sind die Menschen nach wie vor sehr leistungsorientiert." Ach, die armen New Yorker.

 

 



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