Was ein weißes Band sagt

von Gesche Grefe

Was machst du? Wie Menschen weltweit arbeiten (Ausgabe II/2013)


Bänder haben in Indien verschiedenste Bedeutungen. Trage ich ein rotes oder gelbes um das rechte Handgelenk, beschützen mich die Götter, ist es schwarz, bin ich weniger anfällig für Krankheiten. Sehr wichtig ist auch das weiße Baumwollband, das man bei einigen Männern von der linken Schulter bis zur rechten Hüfte hängen sieht. Dieses heilige Band bekommen Jungen aus der Brahmin-Kas­te - der Priester- und Lehrerkaste - bei einer großen Hindu-Zeremonie, dem Yagnopavit, verliehen. Auch mein Gastbruder Hrishikesh wird es im nächs-ten Jahr bekommen und er weiß, was es bedeutet: weniger spielen und fernsehen und mehr büffeln, denn dann ist Hrishi offiziell in der Lernphase seines Lebens.

Der aus drei Fäden gedrehte Strick soll ihn daran erinnern, so viel Wissen wie möglich von seinen spirituellen und säkularen Lehrern aufzunehmen, um es später weitergeben zu können. Wie sein Vater wird Hrishi jedes Jahr das alte Band gegen ein frisches, weißes tauschen. Trotz der Pflichten, die damit verbunden sind, freut er sich sehr auf sein Yagnopavit. Mindestens dreihundert Verwandte werden dazu eingeladen, es wird getanzt bis zum Umfallen und nach allen Ritualen bekommt er kleine Geschenke und Süßigkeiten. Von mir wünscht er sich, na klar, leckere deutsche Schokolade.



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