Ich glaube an Respekt

Shreevar Rastogi

Menschen von morgen (Ausgabe I/2009)


Ich glaube an harte Arbeit. Ich möchte in Zukunft ein verantwortungsvoller Weltbürger sein und zum Wachstum der Welt beitragen. Angst habe ich nur davor, im Leben zu versagen. Fleiß, gute Lehrer und Disziplin sind sicher wichtig auf dem Weg in ein erfolgreiches Leben. Aber wer weiß, ob meine Generation nicht einer weltweiten Rezession, einem neuen Finanzkollaps gegenübersteht? Unvorhersehbare Faktoren spielen auch eine Rolle. Ich fühle mich schon jetzt häufig erwachsen, wenn ich an die Verantwortung denke, die wir in Zukunft auf uns nehmen werden müssen. Mich beunruhigen die zahlreichen Ausbrüche von inneren Konflikten und drohende Umweltkatastrophen sehr. Unser Planet verändert sich: Flüsse trocknen aus, Gletscher schmelzen. Das ist der Preis, den wir für industrielle Entwicklung bezahlen. Wir brauchen einen Politikwechsel, um unsere Welt zu schützen. In Indien behindern die großen Spannungen zwischen den politischen Parteien eine Lösung der echten Probleme, wie Terrorismus oder wirtschaftliche Entwicklung. Ich wünschte, wir hätten einen Barack Obama in Indien! Er ist mein großes ausländisches Vorbild, weil er eine neue Generation von Politikern darstellt, die den Menschen von der Kühnheit der Hoffnung in schwierigsten Situationen erzählt. Er kann sich extrem gut ausdrücken und steckt die Menschen mit seinem Traum an. Er hat die Kluft zwischen den Rassen in den USA überbrückt. Man weiß nicht genau, wie er die Rezession umkehren will, aber ich mag seinen Optimismus. Er ist mein Vorbild, weil er Veränderungen in der Gesellschaft bewirkt.


Mein indisches Vorbild ist der Atomphysiker Dr. A. P. J. Abdul Kalam, der von 2000 bis 2007 auch Präsident Indiens war. Er ist ein Ingenieur mit einer Vision. Als „Missile-Mann Indiens“ hat er Raketengeschosse entwickelt. Trotzdem ist er gegen Kriege und will, dass Indien Technologie nur zu Entwicklungszwecken einsetzt. Besonders mag ich an ihm, dass er ein einfaches Leben führt und die erstaunliche Gabe besitzt, auch mit normalen Menschen kommunizieren und wissenschaftliche Zusammenhänge in einfacher Sprache erklären zu können.


Mein größter Wunsch ist es, in meinem Beruf herausragend zu sein und vielleicht einmal mein eigenes Computergrafik-Unternehmen zu leiten. Ich möchte etwas Einzigartiges schaffen, indem ich Wissenschaft und Kreativität zusammenbringe. Es ärgert mich, wenn mich jemand entmutigt, mit neuen Ideen zu experimentieren, neue Wege einzuschlagen und querzudenken. Es ist riskant, ein Querdenker zu sein. Wenn einer unserer Lehrer in der Schule nach der Lösung eines mathematischen Rätsels fragt, nehmen die meisten Schüler den kürzesten Weg und folgen den offensichtlichsten Prinzipien. Ich mache das anders. Mit traditionellen Mitteln ein Problem zu lösen, ist nichts Besonderes. Innovation ist die Mutter des Fortschritts.


Ich glaube an Respekt, und mein Ansehen als Bürger ist mir wichtiger als Geld. Ich möchte mir Ehrlichkeit bewahren. Ich unterschätze nicht den Wert des Geldes im Leben, aber ich möchte unlautere Mittel tunlichst vermeiden. Schließlich will ich in den Spiegel schauen können, ohne mir Betrug vorwerfen zu müssen. 


Die künstlichen Mauern zwischen Menschen verschiedener Hautfarbe, Kaste, Region und Rasse sollten fallen. Deshalb helfe ich Armen, eine Schulausbildung zu erlangen. Eine Gruppe von Schülern, die ich leite, unterrichtet in einem Dorf, in dem es keine Schule gibt. 


Wir können jetzt über das Internet Freunde auf der ganzen Welt finden, mit ihnen chatten, unsere Ansichten austauschen. Wir können im Netz ausländische Zeitungen lesen oder uns über Videokonferenzen mit Menschen im Ausland treffen. Doch diese Begegnungen sind künstlich und Internet-Chats werden häufig missbraucht und mit Geschmacklosigkeiten gefüllt. Menschen verschiedener Kulturen und Religionen sollten aus ihren Schneckenhäusern herauskommen, um gegenseitige Vorurteile auszuräumen. Irgendwo müsste ein Anfang gemacht werden, ausländische Kulturen zu respektieren. Die Zukunft dieser Welt wird von den Visionen abhängen, die wir teilen.

Protokolliert von Tapas Kumar Chakraborty


Aus dem Englischen von Claudia Kotte



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