Silvestermann

von Collien Ulmen-Fernandes

Für Mutige. 18 Dinge, die die Welt verändern (Ausgabe IV/2013)


Bevor ich eingeschult wurde, verbrachte meine Familie manchmal drei Monate im Jahr in Indien. Aus meiner Zeit dort habe ich besonders lebhafte Erinnerungen an einen Silvesterbrauch. Kurz vor Beginn des neuen Jahres baute unsere Familie eine Figur aus Holz und Heu. Die zogen wir dann mit bunten Klamotten an und nannten sie den „alten Mann“ – auch wenn sie in Wirklichkeit verblüffende Ähnlichkeit mit einer Vogelscheuche hatte. Wir Kinder gingen dann mit dem alten Mann um die Häuser und sammelten Geld ein.

„Give us some money for the old man“, hieß es dann und die Leute mussten etwas herausrücken. Am Silvesterabend wurde die Figur verbrannt, quasi um die negativen Gedanken des vergangenen Jahres zu vergessen. Für mich als Kind war das ein wahnsinnig faszinierendes Bild. Ich verbinde den alten Mann mit jeder Menge Süßigkeiten, aber vielleicht war das mit den Süßigkeiten auch nur ein Brauch in unserer Familie. Die Tradition namens „Spot the Old Man“ war unter indischen Katholiken aber auf jeden Fall weit verbreitet.



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