Dinge, die die Welt verändern

Für Mutige. 18 Dinge, die die Welt verändern (Ausgabe IV/2013)


Ewiges Leben

Als "unsterbliche Qualle" wurde sie bekannt: die nur fünf Millimeter große Turritopsis dohrnii. Auch "Benjamin-Button-Qualle" wird sie genannt - nach der Hollywood-Kino-Figur, die sich verjüngt, anstatt zu altern. Die Dohrnii kann sich durch die Verwandlung von Zellen in ihren Kindheitszustand zurückversetzen. Der Meeresbiologe Shin Kubota von der Universität Kyoto ist dem Geheimnis der Meduse besonders dicht auf den Fersen, denn ist es einmal gelüftet, könnten irgendwann auch wir Menschen unsterblich sein. Kritiker erwidern, dass es sich bei der Qualle streng genommen nicht um einen unsterblichen Organismus handelt, da diese zwar ihre Gene weitergibt, sich ihr Zellmaterial jedoch erneuert. Ungeachtet dessen tritt Kubota im japanischen Fernsehen als Mr. Qualle verkleidet auf und gibt selbst komponierte Lieder über die faszinierende Dohrnii zum Besten. Und diese unterhaltsame Präsentation von Wissenschaft verändert die Welt ja immerhin ein kleines bisschen.

Kürzere Lagerzeiten

Ein Prozent der radioaktiven Abfälle aus Kernkraftwerken besitzt Halbwertszeiten von mehreren Hunderttausend Jahren und ist extrem gefährlich für Menschen und Organismen. Wegen dieses hochgefährlichen Teils des Abfalls wird nach Orten gesucht, an denen das gesamte Abfallvolumen der Kernkraftwerke sicher über Hunderttausende von Jahren isoliert von der Biosphäre gelagert werden kann. Wie schön wäre es doch, wenn es gelänge, die besonders problematischen Abfälle aus den abgebrannten Brennelementen abzutrennen und in weniger problematische Isotope mit kürzerer Halbwertszeit zu verwandeln. Daran arbeiten Forscher weltweit. "Partitioning and Transmutation" heißt diese Zukunftsvision. Das Endlagerungsproblem lösen wird sie aber auch nicht. Selbst bei Gelingen muss der radioaktive Abfall noch 2.000 Jahre absolut sicher aufbewahrt werden. Gemessen an der wechselvollen und kriegerischen Geschichte der letzten 2.000 Jahre eine viel zu lange Zeit.

Malariaimpfstoff

Es wäre eine medizinische Sensation: der erste Impfstoff, der einen Parasiten unschädlich macht. Denn Malaria wird durch Parasiten der Art Plasmodium ausgelöst, die mit dem Stich der Mücke in den menschlichen Organismus gelangen. 220 Millionen Menschen haben sich nach Schätzung der Weltgesundheitsorganisation 2010 mit Malaria infiziert. 660.000 davon, zumeist Kinder und Schwangere, starben. Kein Wunder also, dass das internationale Interesse an der Entwicklung eines Impfstoffs gegen diese Krankheit groß ist. Zwar jagt in den vergangenen Jahren eine vermeintliche Erfolgsmeldung die nächste, aber ein sicherer, wirkungsvoller und bezahlbarer Impfstoff ist immer noch nicht in Sicht. Am erfolgversprechendsten ist derzeit ein Impfstoffkandidat aus lebenden Parasiten. Diese werden durch Bestrahlung abgeschwächt und intravenös in mehreren Dosen verabreicht. Für jede einzelne Injektion müssen jedoch 135.000 Parasiten mit feinsten Kanülen aus den Speicheldrüsen von Moskitos entnommen werden.

Karussellpumpe

Ein drehbares Gestell auf staubigem afrikanischen Boden, Kinder wirbeln darauf fröhlich im Kreis. Wie schön waren diese Bilder in den Medien und wie simpel ist die Idee dahinter: Mit ihrer Muskelkraft fördern Jungen und Mädchen spielend Trinkwasser aus der Tiefe, denn das Karussell ist mit einer Wasserpumpe verbunden. Die Begeisterung über diese Erfindung des Südafrikaners Trevor Field war so groß, dass allein die US-Regierung sechzig Millionen Dollar in den Ausbau seiner Firma und die Verbreitung der Spielpumpen investierte. In der Praxis jedoch entpuppten sich die Karussellpumpen, die viermal so teuer waren wie herkömmliche Pumpsysteme, als Riesenflop. 27 Stunden, so rechnete der Guardian vor, hätten die Kinder "spielen" müssen, um 2.500 Menschen einen Tag lang mit Wasser zu versorgen. Einmal defekt, konnten die Pumpen nur unter großem Aufwand repariert werden, weil teure Ersatzteile importiert werden mussten.

Texte von Julia Backes, Stephanie Kirchner und Karola Klatt



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