Böse Geister im Teich

von Samia Tamrin Ahmed

Beweg dich. Ein Heft über Sport (Ausgabe I/2014)

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Eine Dunkle Weichschildkröte, auch als Tempel-Weichschildkröte bekannt. Foto: Kundu & Kulendra Ch Das/Assam Univ. & Mizoram Univ./India


In Bangladesch kann es Ihnen passieren, dass man Sie an ein Wasserbecken bringt und Sie auffordert, 300 Schildkröten mit Bananen oder Chapatibrot zu füttern. Die größte lebende Population der extrem seltenen Dunklen Weichschildkröte wird in der Hafenstadt Chittagong im Südosten Bangla-deschs in einem künstlichen Teich gehalten. Er gehört zur Tempelanlage des heiligen Bayazid Bostami, eines Sufis, der im 9. Jahrhundert aus dem Iran nach Bangladesch gekommen sein soll, weshalb die Tiere auch „Bostami-Schildkröten“ oder „ Mazari“, deutsch: „Tempelbewohner“, genannt werden.

Sie können bis zu einem Meter groß werden und haben eine olivgrüne oder braun-schwarze Farbe. Ursprünglich lebten sie im Brahmaputra-Fluss, der im Himalaja entspringt. Die Weltnaturschutzorganisa-tion (IUCN) führt sie als ausgestorbene Art, doch jüngst wurden einige wild lebende Exemplare in Assam in Indien gesichtet. Der Legende nach sind die Dunklen Weichschildkröten Nachkommen von bösen Geistern, die den heiligen Bostami einst in Wut versetzten. Deshalb hat er sie verwandelt und zu einer Ewigkeit im Pool verdammt. Die Wächter des Tempels kümmern sich hingebungsvoll um ihre Population. Niemand darf einem Tier etwas antun oder es gar entwenden, auch nicht für wissenschaftliche Zwecke. Nur Füttern ist erlaubt und die Leute glauben, dass ein Wunsch in Erfüllung geht, wenn die Schildkröten das angebotene Futter fressen. Also sehen Sie zu, dass sie bei Ihrem Besuch auch hungrig sind.
 



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