Warum echte Männer in Mexiko die Zahl 41 meiden

von Amaranta Caballero Prado

Menschen von morgen (Ausgabe I/2009)


Wenn in Mexiko irgendwo die Zahl 41 ausgesprochen wird, dann sorgt das immer für Aufmerksamkeit. 41 ist ein Code für Homosexuelle. Das geht zurück auf die Zeit, als Präsident Porfirio Díaz das Land regierte. In der Nacht des 18.November 1901 stürmte die Polizei ein Haus im Zentrum von Mexiko-Stadt. 41 Männer feierten dort laut und ausgiebig. Was den Argwohn der Sicherheitskräfte hervorrief, war Folgendes: Einige der Männer waren gekleidet und geschminkt wie Frauen. Man erzählt sich, die Polizisten hätten bei der Verhaftung die Personalien aufgenommen und unter den Männern habe sich auch einer der Schwiegersöhne von Porfirio Díaz befunden: Ignacio de la Torre y Mier. Ein Riesenskandal hing in der Luft. Man sagt, der Präsident persönlich habe verfügt, den Namen seines Schwiegersohns von der Liste der Verhafteten zu streichen. Auch die Presse wurde zum Schweigen verpflichtet. Am nächsten Morgen berichteten die Tageszeitungen, bei einer Razzia haben man 40 Homosexuelle festgenommen. Schon bald machte eine Frage scherzhaft die Runde: „Bist du der 41.?” „Gib es schon zu, du bist der, der gefehlt hat. Du bist der 41.” Seit jenen Tagen meiden „echte” Männer die Zahl. Undenkbar: ein Sportler mit einer „41” auf dem Rücken. Feiert ein Mann seinen 41. Geburtstag, antwortet er auf die Frage, „Wie alt bist du heute geworden?”, ganz sicher mit „40: und ein bisschen mehr”.



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