Editorial

von Jenny Friedrich-Freksa

Menschen von morgen (Ausgabe I/2009)

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Foto: Max Lautenschläger


Das Beste an der Jugend findet im Geheimen statt“, schreibt der ukrainische Schriftsteller Juri Andruchowytsch in diesem Heft. Recht hat er! Der amerikanische Psychologe Jeffrey Jensen Arnett von der Clark University in Massachusetts schwelgt: „17 – das schönste Alter der Jugend ...“ 17-Jährige, so Arnett, blicken auf eine Kindheit, zu der sie nicht zurückkehren können, und einem Erwachsensein entgegen, das voller Ungewissheiten ist. Wahrscheinlich kommt nur ein Erwachsener darauf, diesen schwierigen Moment – in dem man nicht richtig vorwärts kann und nicht zurück – so zu verklären. Viele Jugendliche finden ihre Gegenwart eher schwierig.

Wir interessieren uns in diesem Heft dafür, was in jungen Menschen vorgeht: was sie sich wünschen, wovor sie sich fürchten – und wie viel Mut sie haben, Probleme anzugehen, die heute noch ungelöst sind. Kurz: wie sie sich die Welt von morgen vorstellen. Ajmal Abdul Rauf aus Afghanistan will Olympiasieger im Taekwondo werden – und so seiner Heimat zu Ansehen verhelfen. Benoît Sirugue aus Frankreich sieht Soldaten als Friedensstifter und möchte selbst einer sein. Engrácia Silva aus Angola ist nach Portugal eingewandert und hat dort den Musikstil Kuduro für sich entdeckt – eine Mischung aus afrikanischen Rhythmen und Hip-Hop. Und Alfred Otieno aus Kenia lehnt die Polygamie seines Vaters ab er will mit einer Frau glücklich werden. Glücklich werden, das wünschen sich die 17-Jährigen alle. Ihre Chancen dazu schätzen sie sehr unterschiedlich ein, und oft, so wirkt es, auch sehr realistisch.

Warum denken Erwachsene über Jugendliche vor allem dann nach, wenn diese aus der Reihe tanzen? Vielleicht, weil junge Menschen potenziell die größten Unruhestifter sind – wie bei den jüngsten Gewaltprotesten in Griechenland. Vielleicht reagieren junge Menschen aber auch einfach am sensibelsten auf Störungen. Deshalb ist es gut, ihnen zuzuhören.



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