Meditationsperlen

Kauf ich. Ein Heft über Konsum (Ausgabe IV/2014)


Fragt man einen Mann nach seinem Komboloi, antwortet seine Frau: „Warum benutzen Sie ein Komboloi?“ – Sie: „Damit er weniger raucht.“ – „Wie viele griechische Männer besitzen ein Komboloi?“ – Sie: „Mindestens 200 Prozent. Mein Mann hat ja schon fünf.“ Komboloi, auf Deutsch etwa „Knotenreihe“, heißt in Griechenland die Spiel- und Meditationskette, die entweder Perle für Perle abgetastet oder mit Schwung seitwärts über einzelne Finger geschlagen wird. Optisch gleicht sie dem katholischen Rosenkranz und der islamischen Misbaha. Aber im Osten Europas wird sie überkonfessionell und statusfrei benutzt.

Das betonen die darauf angesprochenen Männer, wenn sie doch einmal zu Wort kommen – darunter orthodoxe Griechen, ein albanischer Muslim und ein alter sephardischer Jude. Die Geschichte des Kultobjekts begann vor mehr als 2000 Jahren in Ostasien. Bei den Hindus hieß das Komboloi noch Mala. Später fand es Verbreitung im Osmanischen Reich, also auch in Teilen des heutigen Griechenland und speziell bei den Mönchen vom Berg Athos, die den Begriff „Komboloi“ erfunden haben sollen. Heute gibt es in Griechenland unzählige Varianten der Ketten, die im Supermarkt genauso wie in Fachgeschäften erhältlich sind. Eine Kette aus grünem Bernstein kann bis zu 2.000 Euro kosten.



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