Halb Kuh, halb Ziege

von Samia Tamrin Ahmed

Kauf ich. Ein Heft über Konsum (Ausgabe IV/2014)


In den Bambuswäldern des unteren Himalayas lebt ein eigenartiges Tier. Die Rede ist vom Takin, einer auf den ersten Blick leicht übergewichtigen Mischung aus Bergziege und Antilope. Das Takin ist das Nationaltier Bhutans und blickt, wenn man den Legenden des Landes glauben schenken darf, auf eine bewegte Geschichte zurück. Dort wird die Geburtsstunde des Tieres auf die Lebzeiten des buddhistischen Großmeisters Drugpa Künleg zwischen 1455 und 1529 datiert. Dieser wurde von seinen Gefolgsleuten um ein Wunder gebeten, worauf hin er eine Mahlzeit, bestehend aus einer ganzen Ziege und einer ganzen Kuh, verlangte. Künleg verspeiste die Tiere, steckte ihre Knochen ineinander, platzierte den Schädel der Ziege ganz oben auf dem Skelett und befahl ihm, sich zu erheben.Das drong gyem tsey, das Takin, war geboren.

Heute zählt das Takin, dessen wirkliche Abstammung Taxonomen noch immer zu schaffen macht, zu den gefährdeten Tierarten. Sein natürlicher Feind ist der Schneeleopard, doch die größte Bedrohung geht vom Menschen aus, der die Tiere wegen ihres Fleisches und Felles jagt. Im Motithang Reservat im Thimpu kann man Takins noch aus nächster Nähe beobachten. Eigentlich wurden die Tiere auf Befehl des bhutanischen Königs Jigme Wangchuk schon in den 1980er-Jahren in die Wildnis entlassen, aber die über die Jahre domestizierten Takins verließen die Gegend einfach nicht.



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