Mafia-frei

Zweifeln ist menschlich. Aufklärung im 21. Jahrhundert (Ausgabe IV/2011)


Schon das Schweigen macht einen zum Komplizen der Mafia. Das wurde dem Sizilianer Dario Riccobono früh bewusst. Als 13-Jähriger sah er mit eigenen Augen das verkohlte Autowrack von Giovanni Falcone nach dem Attentat, das in Capaci, einem Vorort Palermos, auf den Anti-Mafia-Richter verübt worden war. Dieser schreckliche Eindruck hat Riccobono geprägt. Irgendwann reifte ein Plan in ihm: Er wollte im Alltag etwas gegen die allgegenwärtige Mafia und ihre Schutzgelderpressungen unternehmen. Und so gründete er 2004 mit einigen weiteren jungen Palermitanern die Initiative „Addiopizzo“.

„Pizzo“ nennt man in Sizilien das „Schutzgeld“, das die Ladenbesitzer an die Mafia zahlen. Indem die Inititatoren von „Addiopizzo“ bewusst nur in Geschäften einkaufen, die sich nicht von der Mafia erpressen lassen, wollen sie diejenigen belohnen, die sich wehren. Innerhalb eines Jahres schlossen sich mehrere Tausend Sizilianer der Bewegung an. Während die Händler, die sich den Forderungen der Mafia verweigerten, früher in dieser Situation allein dastanden, bietet sich ihnen heute ein doppelter Vorteil: Sie müssen nicht nur kein Geld mehr bezahlen, sondern „Addiopizzo“ verschafft ihnen auch zustätzliche Kundschaft. Mittlerweile beteiligen sich mehr als 650 Geschäfte an der Initiative von Riccobono. „Die zahlreichen Verbraucher, Händler und Unterstützer bilden zusammen ein großflächiges Netz, das alle Beteiligten schützt“, erklärt er. Für alle Besucher von Palermo hat die Initiative einen Stadtplan herausgebracht, in dem die Geschäfte und Restaurants eingezeichnet sind, die dem Druck der kriminellen Organisation widerstehen. Außerdem bietet Riccobono Stadttouren an, bei denen auf ebensolche Unterkünfte und Restaurants hingewiesen wird: für einen garantiert Mafia-freien Urlaub.



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