Einer von uns?

Zweifeln ist menschlich. Aufklärung im 21. Jahrhundert (Ausgabe IV/2011)


Es braucht Zeit, um zu verdauen, dass die Opfer von ihrem eigenen Mitbürger brutal getötet worden sind. (...) Wir Norweger müssen lernen, damit umzugehen, dass der Attentäter grob als „einer von uns“ beschrieben werden kann. Vielleicht ging es der israelischen Gesellschaft ähnlich, als bekannt wurde, dass der Mörder von Jitzchak Rabin ein Jude ist.
Mia Habib auf YNETNEWS.COM (Tel Aviv) vom 25.7.2011

Manche sagen, Norwegen habe am 22. Juli die Unschuld verloren. Leider stimmt das nicht ganz: Ein Land, das im Irak kämpfte, seit zehn Jahren in Afghanistan Krieg führt und eifrig Tripolis bombardiert, kann man nicht unschuldig nennen. (...) Niemand kann für die Verbrechen von Oslo in Haft genommen werden außer dem Mörder selbst. Aber wir sind verantwortlich für die Kriege, die wir führen, für die Wörter, die wir benutzen, und dafür, wie wir Menschen behandeln, die anders sind als wir. Diese Verantwortung hat Norwegen in den letzten Jahren nicht wahrgenommen.
Aslak Sira Myhre in WASHINGTON POST vom 29.7.2011

Norwegen bleibt ein Land der öffentlichen Freiheiten. Darüber ist sich die politische Elite in Oslo einig. Dies ist das Gegenteil zur Haltung der USA nach dem 11. September 2001 und zu der Einstellung, die bei uns zu oft vertreten wird, nämlich die, jede Bluttat als Vorwand für eine Verschärfung des Strafrechts nutzt.
LE MONDE (Paris) vom 25.7.2011

Abseits der üblichen Verdächtigen gibt es heute randständige Irre, welche die unschuldige Weltbevölkerung terrorisieren. (...) Im Fahrwasser dieses neuen Terrorismus müssen alle Länder ihre Sicherheitsbemühungen neu ausrichten auf Anschläge, die sich gegen den gesellschaftlichen Mainstream richten.
A.R. Modak in ARAB NEWS (Dschidda) vom 24.7.2011



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