Gummiwand

Gudrun Czekalla

Das Deutsche in der Welt (Ausgabe IV/2010)


In ihren Erinnerungen schildert Carla Del Ponte eindrucksvoll ihren unablässigen Kampf gegen die „muro di gomma“ (die Wand aus Gummi), auf die sie oftmals in ihren Begegnungen mit Geldgebern der Mafia, Schweizer Bankbeamten, Politikern, aber auch mit Staats- und Regierungschefs gestoßen ist. Ihr Buch beschreibt ihre Anfänge als Staatsanwältin des Kantons Tessin, wo sie zusammen mit dem später ermordeten Richter Giovanni Falcone entschlossen gegen die Mafia vorging, und ihren Werdegang von der Schweizer Bundesanwältin zur Chefanklägerin des Internationalen Strafgerichtshofs für das ehemalige Jugoslawien und für Ruanda. Carla Del Ponte schildert die Erfolge und Fehlschläge des Tribunals und ihren unermüdlichen Einsatz für Wahrheit und Gerechtigkeit. Motivation und Ansporn waren ihr dabei stets das Gedenken an die Opfer und die mutigen Aussagen derjenigen, die überlebt haben. Da sie als Schweizer Botschafterin in Argentinien heute zu keinen weiteren öffentlichen Äußerungen mehr befugt ist, bleibt das vorliegende Werk bis auf Weiteres die einzige Quelle, die aus erster Hand über Hintergründe der Kriegsverbrechertribunale Auskunft gibt.

Im Namen der Anklage. Von Carla Del Ponte. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 2009. 528 Seiten.



Ähnliche Artikel

Das ärmste Land, das reichste Land (Ich bin dafür, dass ...)

... wir den Europäischen Menschengerichtshof stärken

ein Kommentar von Peter Steudtner

Der Menschenrechtsaktivist musste 113 Tage in türkischer Haft verbringen. Warum ein stärkerer EGMR in Situationen wie dieser helfen würde, erklärt er hier

mehr


Großbritannien (Köpfe)

Gedichtregen

Guernika, Warschau, Dubrovnik: Cristobal Bianchi lässt in Städten, die einmal aus der Luft bombardiert wurden, Poesie vom Himmel fallen

mehr


Iraner erzählen von Iran (Kulturprogramme)

„Der Kulturbetrieb läuft weiter“

Jumana al-Yasiri

 

Theater spielen mitten im Bürgerkrieg, Romane schreiben im Krisengebiet? Ein Gespräch mit der Kuratorin Jumana al-Yasiri über das kulturelle Leben in Syrien

mehr


Rausch (Themenschwerpunkt)

Tödlicher Exorzismus

Karl Arvin Hapal

Rodrigo Duterte, der neue Präsident der Philippinen, lässt Drogenhändler und Konsumenten hinrichten

mehr


Das Deutsche in der Welt (Magazin)

Zurück nach Hause

Vamba Sherif

Nach 20 Jahren kommt der Schriftsteller Vamba Sherif zum ersten Mal wieder in das vom Bürgerkrieg gezeichnete Liberia

mehr


Das neue Italien (Die Welt von morgen)

Ruanda: Drohnen liefern Medizin

In Ruanda werden ab August 2016 Drohnen Medikamente und Blutkonserven an Gesundheitseinrichtungen ausliefern. Es ist das erste Mal, dass die unbemannten Flugzeuge für solche Transporte eingesetzt werden. Wegen Gebirgen und schlechten Straßen dauerte es bisher oft mehrere Wochen, Arzneimittel zuzustellen. Das amerikanische Start-Up-Unternehmen ?Zipline hat die Drohnen entwickelt. Sie haben eine Flügelspannweite von 2,5 Metern und können bis zu 1,5 Kilogramm schwere Pakete befördern.

mehr