Schlecht geschiedene Ehen

Gudrun Czekalla

Das Deutsche in der Welt (Ausgabe IV/2010)


Semiotik der Außenkulturpolitik. Sport, Künste, Wissenschaft & Personenaustausch in der Staatenwelt. Von Patrick Schreiner. Dissertation, Frankfurt am Main, 2009. 428 Seiten.

Weshalb halten Staaten es für sinnvoll, die eigene Kultur im Ausland bekannt zu machen und sie für außenpolitische Zwecke einzusetzen? Welche Rolle spielt der Nationalstaat dabei und in welchem Verhältnis stehen Staat und Kultur zueinander? Von diesen Fragen lässt sich Pat-rick Schreiner in seiner Dissertation leiten. Aus Theoriemodellen und der Diskussion einschlägiger Begrifflichkeiten leitet er Bausteine für eine theoretische Fundierung der Auswärtigen Kulturpolitik ab diese sollen dazu beitragen, eine Methodologie für die empirische Analyse Auswärtiger Kulturpolitik zu entwickeln. Schreiner untersucht die Theorien zu internationalen Beziehungen, Nationalismus, Staat und Kultur sowie das Potenzial der interpretativen Sozialwissenschaft und der Semiotik für die Analyse von Auswärtiger Kulturpolitik. An Fallbeispielen aus der Praxis wie den Olympia-Boykotten oder der euro-mediterranen Partnerschaft überprüft er Plausibilität und Sinnhaftigkeit seiner theoretischen Überlegungen. Für seine Arbeit erhielt er den Rave-Forschungspreis Auswärtige Kulturpolitik 2010.


Macht, Markt, Mediatisierung. Strategische Außenkommunikation von Staaten und ihre Komponenten Public Diplomacy und Nation Branding. Von Anna Schwan. Dissertation, Hamburg, 2009. 368 Seiten.

Das Anliegen der Autorin ist es, ein umfassendes Verständnis für die Außenkommunikation von Staaten zu etablieren. Dazu wählt sie einen interdisziplinären politik- und kommunikationswissenschaftlichen Zugang. Anna Schwan untersucht, wo das machtpolitische Interesse von Staaten liegt, die strategische Außenkommunikation betreiben, welche Relevanz dabei das Nationenbild hat und wie sich dies auf das internationale Machtgefüge auswirkt. Sie definiert die Begriffe „Public Relations“, „Public Diplomacy“ und „Nation Branding“, bringt ihren neuen Begriff „Strategische Außenkommunikation“ ein und stellt die Theorien zu staatlicher Kommunikation, Stereotypen- und Nationalismusforschung dar. Zudem beschreibt sie die historische Entwicklung der staatlichen Außenkommunikation. In einem praxisbezogenen Abschnitt analysiert und bewertet sie die Imagekampagnen Großbritanniens unter Tony Blair und Deutschlands unter Gerhard Schröder. Aus den Ergebnissen dieser Auswertung leitet Anna Schwan Erfolgskriterien für ihren neuen Leitbegriff ab und entwickelt ein Prozessmodell zum Ablauf von strategischer Außenkommunikation.


Zur Auslandskulturpolitik Österreichs in Ostmitteleuropa seit 1945 – am Beispiel Polens und der Tschechoslowakei/Tschechiens im Vergleich. Von Alexander Burka. Dissertation, Berlin, 2009. 369 Seiten.

Welche Relevanz haben politische Faktoren für die Auswärtige Kulturpolitik? Gab es eine spezielle Konzeption österreichischer Auslandskulturpolitik gegenüber Polen und der Tschechoslowakei? Diesen Forschungsfragen geht Alexander Burka in seiner Dissertation nach, die zugleich die erste Arbeit über österreichische Auslandskulturpolitik seit 1990 ist. Er kommt zu dem Ergebnis, dass sich im Rückblick keine einheitliche Auswärtige Kulturpolitik Österreichs gegenüber den kommunistischen Staaten ausmachen lässt, sondern dass es länderspezifische Besonderheiten gab: Während das Verhältnis von Österreich zur Tschechoslowakei wie eine „schlecht geschiedene Ehe“ mit emotionalisierter und konfrontativer Kommunikation war, herrschte im Verhältnis zu Polen stets ein positiver Grundton. Der Katholizismus war ein verbindendes Element, auch die räumliche Distanz hatte positive Effekte.


Musik als politischer Faktor. Konzepte, Intentionen und Praxis französischer Umerziehungs- und Kulturpolitik in Deutschland 1945–1949/50. Von Andreas Linsenmann. Dissertation, Mainz, 2009. 306 Seiten.

Musik ist ein immer noch wenig erforschtes Phänomen in der Besatzungspolitik der Alliierten, obwohl Musik im deutschen Kulturleben stets einen besonderen Stellenwert einnahm. Hieran knüpfte Frankreich an, um die Deutschen nach Kriegsende umzuerziehen. Eine wesentliche Rolle dabei spielte das „Bureau des Spectacles et de la Musique“. In seiner Studie untersucht Andreas Linsenmann, welche Prämissen und Konzepte der französischen Umerziehungs- und Kulturpolitik zugrunde lagen, wie sich diese auf die deutschen Strukturen auswirkte und welche Projekte die Franzosen selbst initiierten. Er zeigt, dass das Hauptziel der französischen Musikpolitik nicht negativ-repressiver, sondern positiver Natur war, wenngleich der Schwerpunkt insgesamt mehr auf der Hoch- als auf der Unterhaltungskultur lag.


Wasser für Damaskus. Konzepte, Verbesserungspotenziale in Weiterbildungsmaßnahmen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit für Akteure im syrischen Wassersektor. Von Jennifer Lerch. Diplomarbeit, Mainz, 2009. 129 Seiten.

Das Thema der vorliegenden Diplomarbeit sind Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung in Damaskus sowie Langzeitprogramme im Rahmen der International Leadership Trainings von Inwent, der Organisation für Personalentwicklung in der internationalen Zusammenarbeit. Jennifer Lerch stellt in ihrer Arbeit die wichtigsten Herausforderungen im Trinkwasser- und Abwassersektor in Syrien dar und untersucht, welche Unterstützung durch Weiterbildungsmaßnahmen möglich ist und welche Verbesserungen für die Trainingsmaßnahmen notwendig sind. Sie weist auf einen Mangel an Fachpersonal, schlechte Bezahlung und ungenügende Zusammenarbeit zwischen Ministerien und Behörden hin. Für die Inwent-Programme schlägt sie unter anderem mehr Kontakte zu Deutschen sowie eine bessere interkulturelle Vorbereitung der Teilnehmer vor.



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