Die Hochzeitsinsel Jeju-Do in Korea

von Young-Sim Song

Das Deutsche in der Welt (Ausgabe IV/2010)


Schon als Kind wusste ich, dass diese Insel, die größte Insel Koreas im Ostchinesischen Meer, eine Hochzeitsinsel ist. Seit den 1970er-Jahren ist sie das Urlaubsziel für südkoreanische Pärchen in den Flitterwochen. Meine Mutter vergaß das Versprechen meines Vaters nie und fragte immer wieder, wann sie endlich dorthin reisen würden.

Eine halbe Million Koreaner wohnen auf der Vulkaninsel südlich vom Festland. Sie ist 73 Kilometer breit und 41 Kilometer lang. Im Volksmund hat sie noch einen anderen Namen: „Sam-Da-Do“. Der Name stammt aus früheren Zeiten, als die schönen Insulanerinnen ihre Männer beim Fischen auf der stürmischen See verloren haben. „Sam“ bedeutet „drei Dinge“, „Da“ „in Fülle“ und „Do“ „die Insel“ – die Insel, die drei Dinge in Fülle hat: Frauen, Felsen und Wind. Wohin das Auge reicht: überall Meer und Felsen, an denen die Wellen sich brechen.

33 Jahre mussten vergehen, bevor mein Vater sein Versprechen einlöste. Im vergangenen Herbst waren meine Eltern endlich auf Jeju-Do. Gemeinsam mit Onkeln und Tanten schwammen sie im Meer, aßen rohen Fisch und andere Inselspezialitäten, bestiegen den höchsten Vulkanberg Halla in der Mitte der Insel und besuchten das „Loveland“, einen erotischen Themenpark mit 140 Skulpturen.

Inzwischen reisen nicht mehr nur Frischvermählte nach Jeju-Do. Auch Studenten und Schüler machen Wochenendabstecher hierher. Ich selbst habe die Insel, von der ich schon von klein auf gehört habe, im letzten Jahr besucht – noch vor meinen Eltern.



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