Exzellente Entscheidungen

Jessica Guth

Das Deutsche in der Welt (Ausgabe IV/2010)


Es ist ein Teufelskreis: Um herausragende Wissenschaftler anzulocken, muss ein Forschungsstandort erstklassig sein, doch diese wissenschaftliche Exzellenz erreicht man nur mit ausgezeichneten Gelehrten. Wie soll man den Kampf um die Klügsten und Besten gewinnen, wenn man nicht schon brillant ist? Auch die Europäische Union will „... zum wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensbasierten Wirtschaftsraum in der Welt“ werden, denn darin liegt nach Ansicht ihrer Strategen der Schlüssel zu dauerhaftem Wirtschaftswachstum. Ein entscheidendes Schlachtfeld im Kampf um die Fähigsten ist der Beginn der wissenschaftlichen Laufbahn, die Promotionsphase. Will man junge Talente an sich binden, ist es hilfreich, die Motive zu kennen, nach denen sie den Ort für ihr Promotionsvorhaben auswählen.


Für die meisten Doktoranden ist tatsächlich vor allem die wissenschaftliche Exzellenz der Institute richtungsweisend. Deshalb können die USA, Großbritannien, Frankreich und Deutschland mit ihren renommierten Universitäten und Forschungseinrichtungen die meis-ten Promotionskandidaten aus dem Ausland anwerben. Wer für seine Doktorarbeit in die Fremde geht, möchte vor allem an einem renommierten Institut mit bestimmten Experten zusammenarbeiten oder widmet sich einem wissenschaftlichen Gebiet, das im Heimatland nicht so gut entwickelt ist. Wer nur für eine kurze Zeit ins Ausland geht, sucht meist gezielt nach einer für sein Forschungsvorhaben nötigen wissenschaftlichen Ausstattung oder einer bestimmten Fachkompetenz. Manche betrachten den von einer renommierten ausländischen Universität verliehenen Doktortitel auch als Garant für zukünftigen beruflichen Erfolg. 


Wissenschaftliches Ansehen ist aber nicht alles, es spielen noch andere Faktoren eine wichtige Rolle, zum Beispiel welche Arbeitssprache gesprochen wird, wie weit der Promotionsort vom Heimatland entfernt ist und welchen rechtlichen Status man im Gastland bekommt. Vor allem aber müssen das Forschungsvorhaben und der Aufenthalt im Gastland überhaupt finanzierbar sein. In diesem Punkt unterscheiden sich die Bedingungen von Land zu Land gewaltig. In einigen Ländern, wie Norwegen und Finnland, sind Doktoranden Angestellte der Universität oder des Instituts mit allen damit verbundenen Arbeitnehmerrechten und entsprechendem Gehalt. In anderen Ländern wie Großbritannien oder den USA werden sie weiterhin als Studenten eingestuft und müssen Studiengebühren zahlen. In wieder anderen gibt es nebeneinander beides. Nachteilig wirken sich Studiengebühren nur dort aus, wo es keine anderen Stipendien oder Fördermöglichkeiten gibt, um Gebühren und Unterhalt abzudecken. Das erklärt, warum die USA Großbritannien ausstechen, denn in Stanford oder Princeton verzichtet man als Gegenleistung für herausragende Leistungen auf Gebühren. Großbritannien ist da weit weniger flexibel und verliert deshalb Talente, die sich einen Aufenthalt in Oxford oder Cambridge nicht leisten können. 


Letztendlich profitieren aber immer auch die Heimatländer von der Mobilität ihrer Wissenschaftler. Ein Pole, der in Harvard promoviert und mit seinem Institut in Polen in Kontakt bleibt, kann für die Wissenschaft seines Landes wertvoller sein als ein Pole, der geblieben wäre. In diesem Sinne sind Kooperationen auch ein Weg, exzellenter zu werden.


Und noch eine Chance eröffnet sich aufstrebenden Wissenschaftsstandorten: Junge Wissenschaftler fällen ihre Entscheidung, wohin sie ziehen, nicht isoliert. Sie haben Partner und einige auch schon Kinder. Besonders schwierig wird es, wenn beide Partner Wissenschaftler sind. Zwei Karrieren, die Mobilität erfordern, zu managen, ist eine besondere Herausforderung. Die Universität, die hier flexible Lösungen anbietet, wird erfolgreicher als andere sein, Talente anzulocken und zu halten.

Aus dem Englischen von Karola Klatt



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