Roma unerwünscht

Das Deutsche in der Welt (Ausgabe IV/2010)


Als Hüter des nationalen und sozialen Zusammenhalts darf der Staatschef nicht das ganze fahrende Volk für den Fehler eines Einzelnen verantwortlich machen.
LE MONDE (Paris) vom 30.07.2010

Arbeitsscheue, Diebe, Kriminelle – das sind die Bezeichnungen, die man den Roma und Sinti allgemein angedeihen lässt. Und mit denen Frankreich jetzt auch die Deportation von über 700 Angehörigen dieser Volksgruppe rechtfertigt. Pauschalverurteilungen, für die es keine Rechtfertigung gibt und die angesichts der jüngeren Geschichte umso niederträchtiger anmuten. Der Europarat hat gegen das französische Vorgehen scharf protestiert, verhindert hat aber niemand die Deportation. Und dafür schäme ich mich als Europäerin zutiefst.
Susanne Scholl in SALZBURGER NACHRICHTEN vom 25.08.2010

Das Volk der Roma aus Osteuropa in ihren Lagern in den Vorstädten ist wirklich keine schön anzuschauende Episode im derzeitigen französischen Drama. Dieses Drama findet tatsächlich statt. Aber die Roma sind sicher nicht die Hauptdarsteller. Das Land kämpft mit einem hohen Staatsdefizit von derzeit acht Prozent und muss Geld sparen.
Endre Aczél in NÉPSZABADSÁG (Budapest) vom 27.08.2010

Einem bettelnden Zigeuner ein paar Münzen zu geben, mag für manche nur egoistische Seelenmassage sein. Es löst die grundlegenden Probleme der Zigeuner nicht. Ihnen das Betteln zu verbieten, ist aber auch kein gangbarer Weg. Was wir in jedem Fall tun können, ist, mit unserem Menschenverstand festzustellen, dass es sich bei dieser gefährdeten Gruppe – ja! – um Mitmenschen handelt.
Jahn Otto Johansen in AFTENPOSTEN (Oslo) vom 19.08.2010



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