Wie der Esel in Katalonien berühmt wurde

von Alfonso López

Das Deutsche in der Welt (Ausgabe IV/2010)


Doch erst in den vergangenen Jahren ist er zum inoffiziellen Nationaltier Kataloniens aufgestiegen. Schön anzusehen waren sie schon immer, die groß und schlank gewachsenen Esel, die ursprünglich aus der katalanischen Provinz Girona stammen. 1916 wurde die Eselrasse in New York sogar zur besten der Welt erklärt. Infolgedessen wurden die Tiere in die ganze Welt verkauft, vor allem in die USA, um andere Eselrassen zu verbessern. In Katalonien selbst kommen die Esel nur noch in den Bergen zum Einsatz. Sie tragen das Gepäck für Wandertouristen und die Feuerwehr lässt sie an strategischer Stelle den Unterwuchs kahl fressen und schafft so Barrieren gegen einen Waldbrand.

Gab es Anfang des 20. Jahrhunderts noch 50.000 Exemplare, fiel ihre Zahl durch die Mechanisierung der Landwirtschaft auf 500. Doch in den vergangenen Jahren ist der katalanische Esel ungemein populär geworden: Und das nicht aufgrund seiner Charaktereigenschaften, Fleiß, Geduld und Halsstarrigkeit, mit denen sich viele Katalanen identifizieren, sondern als Replik auf den Stier, den eine Brandymarke bekannt und zum nationalen Symbol Spaniens gemacht hat. Die Silhouetten des gezeichneten Stiers und des Esels in Schwarz-Weiß kleben nun als Sticker auf Tausenden von Autos und Motorrädern und bringen auf den Straßen Spaniens und im Süden Frankreichs gegensätzliche nationale Gefühle zum Ausdruck.

Aus dem Spanischen von Timo Berger



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