Europäische Kulturpolitik

von Gudrun Czekalla

Freie Zeit. Was Menschen tun, wenn sie nichts zu tun haben (Ausgabe IV/2009)


Wo liegen die Möglichkeiten und Grenzen europäischer Kulturkompetenzen und -normen? Inwiefern beeinflusst Kultur die europäische Integration? Reagieren die Kulturprogramme der EU auf aktuelle kulturpolitische Herausforderungen? Auch wenn Jan Holthoff die integrative Aufgabe von Kultur unter kommunikativen und historischen Gesichtspunkten für durchaus gelungen hält, ist die EU als Kulturraum bei Weitem noch nicht auf dem Niveau angelangt, das sie als Wirtschafts- und Währungsunion erreicht hat. Der Autor kommt zu dem Ergebnis, dass der vielbeschworenen Vielfalt in der Einheit keine Kompetenzen entsprechen, denn die letzte Entscheidungsgewalt in kulturellen Fragen liegt nach wie vor bei den EU-Mitgliedsstaaten. Um die „innere Zerrissenheit“ zwischen der Angst vor nationalem Identitätsverlust und dem Bekenntnis zu Europa als einheitlichem Kulturraum aufzubrechen, empfiehlt er, eine eigenständige Förderpolitik beim Europäischen Parlament zu etablieren und den Ausschuss der Regionen als Zweite Kammer mit Mitbestimmungsrecht auszubauen. Die Dissertation begründet eine neue Reihe im Nomos-Verlag, die sich dem Kunst- und Kulturrecht widmet.

Kulturraum Europa. Der Beitrag des Art. 151 EG-Vertrag zur Bewältigung kultureller Herausforderungen der Gegenwart. Von Jan Holthoff. Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden, 2008. 256 Seiten.



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