Editorial

von Jenny Friedrich-Freksa

Freie Zeit. Was Menschen tun, wenn sie nichts zu tun haben (Ausgabe IV/2009)

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Foto: Max Lautenschläger


Auf ein Pferd steigen. Ein Buch lesen. Tanzen. Es gibt viele schöne Dinge, die Menschen tun, wenn sie nicht arbeiten müssen. Freizeit ist aber viel mehr als Nicht-Arbeitszeit, sagt die Freizeitforscherin Renate Freericks. Denn im Gegensatz zur Arbeit, deren Abläufe größtenteils fremdbestimmt sind, verfügen wir über unsere freie Zeit selbst. Sie ist die Zeit unseres Lebens, in der wir tatsächlich frei sind. Das hoffen wir zumindest.

Ob es stimmt, hängt stark davon ab, wo wir leben. Menschen in westlichen Kulturen sind auch in ihrer Freizeit sehr von Ansprüchen bestimmt: „Ich muss mal wieder was für mich selbst tun“ oder: „Der Bauch muss weg“. Freie Zeit verbringen wir häufig mit Selbstoptimierung, manchmal mit Spaß, oft auch ohne. Wir sind gut im „Müssen“, aber wenig gut im „Sein-Lassen“.

Mal nichts zu machen, sich treiben zu lassen, damit tun sich andere Kulturen, etwa in Südamerika, der Karibik oder der arabischen Welt, viel leichter als wir. Das zeigt eine simple Statistik: Deutsche verwenden vier Prozent ihrer Freizeit darauf, mit Freunden zu sprechen, Mexikaner 34 Prozent. Auch die Freude am Lebendigen ist anderswo stärker verbreitet. Der Autor Samson Kambalu aus Malawi beschreibt die Lust an der Aufregung so: „In meiner Jugend waren James-Bond-Filme sehr beliebt, obgleich sie heftig bearbeitet waren – die langweiligen Redepassagen wurden normalerweise herausgeschnitten.“

Ein Heft über freie Zeit ist also eigentlich ein Heft, das davon erzählt, wie es ist, sich das Leben schön zu machen. Und sich Freiheiten einfach zu nehmen.



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