EU: nein danke

Atatürks Erben. Die Türkei im Aufbruch (Ausgabe IV/2008)


Heute wird vorgeschlagen, den Lissaboner Vertrag dadurch zu retten, dass man den Iren einen Teilausstieg aus der Europäischen Union anbietet. Das nimmt die Entscheidung der irischen Wähler wenigstens ernst, auch wenn diese sich wohl die Augen reiben, weil sie das so gar nicht gemeint haben. [...] Der Geleitzug, worin der Langsamste das Tempo bestimmt, hat Europa weit gebracht. Von nun an ist es die falsche Gangart.
Jürgen Habermas in SÜDDEUTSCHE ZEITUNG (München) vom 16.06.2008

Der Unterschied zur deutschen Reaktion auf das französische „Nein“ im Jahr 2005 ist auffallend. Wenn Frankreich nein sagt, hat Europa ein Problem. Wenn Irland nein sagt, hat Irland ein Problem. Große und kleine Staaten werden mit zweierlei Maß gemessen.
Timothy Garton Ash in THE GUARDIAN (London) vom 19.06.2008

Solange wir Iren, Polen oder Deutsche bleiben und gleichzeitig Europäer sein wollen, so lange werden wir mit der Art von Problemen leben müssen, die das irische Nein aufgeworfen hat. Und deshalb können wir eine Lösung auch nur gemeinsam finden. [...] In Europa ist der Stein soeben wieder einmal heruntergerollt - rollen wir ihn zu siebenundzwanzigst also wieder hinauf.
Günther Verheugen in SÜDDEUTSCHE ZEITUNG (München) vom 20.06.2008

Es gibt im Grunde genommen zwei Wege, die uns offenstehen: Entweder finden wir einen Weg, um im Zentrum der EU zu bleiben, oder wir begeben uns auf die Straße der Isolation und Irrelevanz. [...] Der Versuch, in einem begrenzten Dialog mit der Außenwelt zu existieren, hat noch keinem Land geholfen und wird auch Irland nicht weiterbringen.
Mary Frances McKenna in THE IRISH TIMES (Dublin) vom 27.08.2008



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