Was die Türken gerne … ... sehen, hören und lesen

Kemal Çalik

Atatürks Erben. Die Türkei im Aufbruch (Ausgabe IV/2008)


Eine überraschende Vielfalt an Themen und Genres zeichnet die türkische Literatur seit 30 Jahren aus: Es gibt triviale Unterhaltungsbelletristik, Krimis, Science-Fiction, nationale und religiöse Literatur, Thriller, erotische Literatur und Fantasy. Zwar werden die Klassiker wie das Epos „Menschenlandschaften aus meinem Land“ des Avantgardisten Naz?m Hikmet(1902-1963), Gedichte von Orhan Velis (1914-1950), die Satiren von Aziz Nesin (1915-1990) oder die Meistererzählungen von Sait Faiks(1906-1954) noch immer gelesen, jedoch gibt es einen Trend hin zu historischen Büchern, die über die Blütezeit und den Untergang des Osmanischen Reiches, die Kriege und die politischen Tragödien berichten. Ilber Ortayl?s „Den Osmanen wiederentdecken“ (2006) und „Diese verrückten Türken“ (2005) von Turgut Özakman über den Befreiungskrieg nach dem Ersten Weltkrieg gehörte in den vergangenen Jahren zu den Bestsellern. Dieser Entwicklung haben sich auch gestandene Literaten angeschlossen. In „Der Eroberer“ (2003) beschreibt Nedim Gürsel die Einnahme des damaligen Konstantinopel im Jahre 1453 aus der Sicht der Sieger und Besiegten. Ahmet Altans „Liebe in Zeiten der Rebellion“ (2001) erzählt von den letzten Tagen des Osmanischen Reiches.Der Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk ist der bekannteste türkische Schriftsteller in Europa. Murathan Mungan (Bild), der „Poet von Mardin“, ist dagegen der Kultautor der Türkei. Sein aktuelles Werk „Städte aus Frauen“ (2008) ist seit Langem auf der türkischen Bestsellerliste. In diesem Buch erzählt er rührende Geschichten aus dem Leben anatolischer Frauen in den Metropolen. Der vielseitige Autor hat zahlreiche Gedichtbände, Romane, Erzählungen und Drehbücher veröffentlicht. Elif ?afak ist eine weitere Bestsellerautorin. Ihr viel diskutiertes Buch „Der Bastard von Istanbul“, das von der armenisch-türkischen Geschichte, von Vaterlosigkeit und Inzest handelt, hat sich 2006 in der Türkei über 85.000 Mal verkauft. Dies ist beachtlich für ein Land, in dem die Erstauflage vieler Bücher bei nur 2.000 Exemplaren liegt.



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