Woran man in Uruguay am 29. Tag eines Monats denkt

Conrado Silveira

Atatürks Erben. Die Türkei im Aufbruch (Ausgabe IV/2008)


Neben Arbeitskraft und Unternehmergeist brachten die europäischen Immigranten, die im 19. Jahrhundert nach Uruguay kamen, auch eine Vielzahl von Volksbräuchen mit in ihre neue Heimat. Eine besondere Gepflogenheit, die mit der großen Gruppe italienischer Einwanderer an den Rio de la Plata gelangte und später von weiten Teilen der Bevölkerung übernommen wurde, beruht auf einer Legende aus dem 8. Jahrhundert. Zu dieser Zeit machte der junge Arzt Pantaléon in Norditalien durch Wunderheilungen von sich reden, für die er später heiliggesprochen wurde. Eines Tages bat er ein paar arme venezianische Bauern um etwas Brot. Diese luden ihn ohne Zögern zu ihrer spärlichen Mahlzeit ein. Aus Dankbarkeit prophezeite Pantaléon seinen Gastgebern für das folgende Jahr eine reiche Ernte. Seine Vorhersage ging in Erfüllung.Da sich dieses denkwürdige Gastmahl an einem 29. abgespielt haben soll, wird heute an jedem 29. durch ein besonderes Gericht an den Heiligen Pantaléon erinnert: Als Reminiszenz an die einfache Kost der venezianischen Bauern servieren Restaurants in ganz Uruguay gnocchi oder ñoquis – kleine Klöße aus Kartoffeln und Mehl. Die Tradition will es, dass man vor dem Essen eine Münze unter den Teller legt. Diese Geste soll Pantaléon gnädig stimmen und dafür sorgen, dass der folgende Monat Wohlstand und Reichtum bringt.



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