Was politische Stiftungen im Ausland bewegen. Nachgefragt in Brasilien

Frauen, wie geht's? (Ausgabe IV/2007)


Reiner Radermacher, Friedrich-Ebert-Stiftung (FES): Wir sehen uns als Wissensvermittler. Es ist ja nicht so, dass wir eine Straße bauen, die dann nach einigen Monaten beendet ist. Unsere Arbeit ist langfristig angelegt. Wir brachten etwa das Staatsministerium für Jugendfragen und Vertreter von Jugendorganisationen zusammen, daraus entstanden Leitlinien zur Jugendpolitik.

Rainer Erkens, Friedrich-Naumann-Stiftung (FNSt): Auf Grund unseres Budgets arbeiten wir nur mit Eliten, die bereits in Amt und Würden sind. Denn wir brauchen ja Leute, die das, was sie bei uns lernen, an andere weitergeben.

Kathrin Buhl, Rosa-Luxemburg-Stiftung (RLS): Wir kooperieren vor allem mit NROs, oftmals mit solchen, die aus der Landlosenbewegung stammen.

Dr. Thomas Fatheuer, Heinrich-Böll-Stiftung (HBS): Es überrascht sicher nicht, dass wir den Arbeitsschwerpunkt Ökologie haben. Wir zeigen, dass es zu Großprojekten wie Staudämmen und Atomkraftwerken Alternativen gibt. Die Idee ist nicht, das Modell „grüne Partei“ in die Welt zu schicken. Wir arbeiten zu grünen Themen, aber wir machen keinen Parteiaufbau.

Dr. Wilhelm Hofmeister, Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS), Rio de Janeiro: Ohne Parteien funktioniert Demokratie nicht, das heißt, es ist manchmal schwierig zu entscheiden, mit wem man zusammenarbeitet. Manche Vertreter der Regierung mussten vor einigen Jahren wegen korrupter Machenschaften ihr Amt niederlegen, heute sind sie wieder mit von der Partie. In Deutschland wird immer sehr stark in Rechts-Links-Kategorien gedacht. So etwas funktioniert hier nicht, das ist zu deutsch gedacht. An unseren Seminaren nehmen durchaus auch Personen teil, die in der „Partei der Arbeiter“ organisiert sind, die typischerweise eher FES-nah ist.

Erkens (FNSt.): Wir arbeiten nicht mit Parteien zusammen, die politisch links zu verorten sind. Die überlassen wir dann den Kollegen der FES, der HBB oder auch der RLS. Was sollte denen vermittelt werden? Von Privatisierung halten die nichts.

Buhl (RLS): Wir würden, wie in Deutschland auch, nicht mit Gruppen zusammenarbeiten, die rassistische, sexistische oder demokratiefeindliche Inhalte vertreten. Die Kontakte zu den anderen Stiftungen sind gut.

Erkens (FNSt.): Mit den Stiftungen sind wir immer in Kontakt. Wir kommen uns aber nicht ins Gehege, jeder hat seine Lieblingspartei, -NRO und auch Lieblingsthemen.



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